Quelle
Eine Sache ist sicher. Der Faschismus wird in Deutschland zwangsläufig eine deutsche Form annehmen, nicht so spektakulär wie diejenige, die in Italien und Spanien existiert, aber dennoch eine klar umrissene Macht, mit der zu rechnen sein wird. Es ist eine Tatsache, dass im heutigen Deutschland die verfassungsmäßigen Rechte des deutschen Volkes, die im Sommer 1919 in Weimar so sorgfältig erarbeitet wurden, fast unmerklich verschwunden sind. Wie bereits während der Diktatur Noskes 1919 ist alle exekutive und administrative Macht im Reich in die Hände des Kriegsministers übergegangen. Die Regierung erwägt Maßnahmen, um die Rechte des Reichstags „vorübergehend“ bis zum 31. März nächsten Jahres zu beschränken. Ohne die Erlaubnis des kommandierenden Generals der Reichswehr vor Ort kann kein Arbeiterblatt erscheinen und keine Versammlung welcher Art auch immer abgehalten werden. Die Begründung dafür ist natürlich plausibel. Die bayerische Regierung hat die Souveränität des Reichs bedroht, indem sie faktisch die Weimarer Verfassung in Bayern außer Kraft gesetzt hat. Die Reichsregierung hat darauf mit der Aufbietung der Generäle reagiert, die die Weimarer Verfassung verteidigen sollen, was einen an ein deutsches Sprichwort erinnert, das besagt, es sei nicht ratsam, den Bock zum Gärtner zu machen.
Quelle: Morgan Philips Price, Dispatches from the Weimar Republic, Versailles and German Fascism. Pluto Press, London, Sterling, Virginia, 1999, S. 170–71.