Quelle
Montag oder Dienstag kommen die Innenminister der größeren
Länder zu einer Besprechung über die SA.s. Daran habe ich keinen
Zweifel, daß wir ihrer Herr werden – so oder so, schon jetzt glaube ich,
daß wir ihnen die Giftzähne ausgebrochen haben. Die
Legalitätserklärungen der SA.-Führer am laufenden Bande, die sie mir in
einem dicken Bande mit allen Unterschriften überreichen ließen, lassen
sich taktisch recht gut verwerten. Die SA.s untergraben dadurch selbst
ihre Existenzberechtigung. Freilich gibt es noch schwere Wochen des
politischen Spiels, bis die verschiedenen Landtagswahlen vorüber sind.
Dann wird man daran gehen müssen, die Nazis regierungsfähig zu machen,
da die sicherlich noch mehr anwachsende Bewegung durch Gewalt nicht mehr
unterdrückt werden kann. Die Nazis dürfen selbstverständlich nirgends
allein an die Regierung gelassen werden, schon gar nicht im Reich. Aber
in den Ländern wird der Versuch hier oder dort gewagt werden müssen, die
Nazis in eine Koalition miteinzuspannen und sie durch positive
Regierungsarbeit von ihren Utopien abzubringen. Ich sehe keinen besseren
Weg, denn die Idee durch ein Antinazigesetz nach Art des alten
Sozialistengesetzes die Partei zertrümmern zu wollen, würde ich für ein
sehr unglückliches Unterfangen ansehen. Anders steht es natürlich mit
den SA.s., die unter allen Umständen beseitigt werden müssen, am besten
die sogenannte Eiserne Front gleich mit […]
Quelle: R.G. Phelps, „Aus den Groener Dokumenten“, Deutsche Rundschau 76 (1950), S. 1019ff. Brief an Alarich von Gleich, 2. April 1932.