Kurzbeschreibung

Als sich die Koalitionsregierung unter Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) nicht auf ein neues Schulgesetz einigen konnte, wurde der Reichstag am 31. März 1928 aufgelöst, und am 20. Mai 1928 fanden Neuwahlen statt. Die Sozialdemokratische Partei (SPD) und die Kommunistische Partei (KPD) erhielten die meisten Sitze im neuen Reichstag, während die Nationalsozialistische Partei (NSDAP) nur zwölf Sitze errang. Hermann Müller (SPD) wurde zum Reichskanzler ernannt und bildete eine große Koalition. Dieser Artikel mit dem Titel „Kampf dem internationalen Marxismus“, der am 20. Mai 1928 in der NS-Parteizeitung Völkischer Beobachter veröffentlicht wurde, kommentiert das Wahlergebnis und prangert den Einfluss der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik an. Der ungenannte Verfasser des Artikels stellt die haltlose Behauptung auf, der Wahlerfolg von SPD und KPD sei ein Komplott mit ausländischen Mächten, insbesondere mit Frankreich und den Vereinigten Staaten. Der Artikel stellt die Nationalsozialisten als Außenseiter dar, die gegen „die gesamte politische Welt“ kämpften, und bedient sich typisch nationalsozialistischer Rhetorik, indem er verspricht, den Kampf mit „fanatischem Idealismus“ und „granithartem Glauben“ fortzusetzen.

„Kampf dem internationalen Marxismus“ (20. Mai 1928)

Quelle

Kampf dem internationalen Marxismus!

So lautet die Parole nach dem 20. Mai – Anwachsen der S.P.D. – Die N.S.D.A.P. die einzige völkische Bewegung – Die Nationalsozialisten die drittstärkste Partei Münchens – Epp gewählt, Stresemann durchgefallen

Im Kampfe gegen eine ganze Welt

Das Zeichen des Wahlkampfs vom 20. Mai ist das starke Anwachsen der Sozialdemokratie im ganzen Reich, wenn auch nirgends so stark wie in Bayern, besonders in München, unter der glorreichen Regierung der Bayer. Volkspartei, die unumschränkt seit 1924 herrschte. Darüber hat Adolf Hitler in der an anderer Stelle wiedergegebenen Rede sich geäußert. Das Anwachsen der S.P.D. bedeutet eine Riesengefahr und zeigt den furchtbaren Charakterzusammenbruch unseres Volkes. Die „großen Parteien“, die zahlenmäßig einst dem Marxismus Schach hätten bieten können, haben versagt. Um so größer wird die Pflicht der nationalsozialistischen Minderheit, die immerhin für sich eine innere Stählung buchen kann.

Wie ist die Lage? Der Nationalsozialismus steht gegen die gesamte heutige politische Welt, und diese steht in gemeinsamem Haß gegen ihn. Ob sich die „Bürgerlichen“ und „Proletarischen“ auch noch so sehr befehden: in der Ablehnung des neuen deutschen Staatsgedankens, der ihre verlebten „Ideen“ nicht mehr anerkennt, sind sie einig. Und ihnen dienen Regierungen, eine Riesenpresse aller Schattierungen, Kanzeln und Beichtstühle, ihnen stehen zur Verfügung die Gelder der Weltbankiers und Trustkönige, ihnen helfen mit Drohungen Franzosen und Wallstreet, der Terror großer Organisationen. Dem Nationalsozialismus steht nichts zur Verfügung als ein fanatischer Idealismus, eine einzige Tageszeitung. Es gehört wahrhaftig ein granitharter Glaube dazu, um gegen den Ring der Gegner zu kämpfen. Und doch! Mit Stolz vermerken wir es, daß wir es – vor allem in Bayern – waren, gegen die der Kampf ging. Mit Riesenplakaten versuchten Sozialdemokratie, Bayerische Volkspartei, Deutsche Volkspartei ihre Verbrechen zu vertuschen, die mittels einer ebenso einfach-wahren wie schlagkräftigen Art von der N.S.D.A.P. mit 19 Flugblättern und 10 verschiedenen Textplakaten allem Volke bekanntgegeben wurden. Dem Volk, das aus „seiner“ Presse nichts, aber auch gar nichts von der wahren Lage der Dinge erfährt.

Wir ruhen jetzt nicht aus, wie die Parlamentsparteien, sondern setzen hinter den Volksbetrügern her. Die Wahl ist zu Ende, der Kampf beginnt!

Quelle: „Kampf dem internationalen Marxismus“, Völkischer Beobachter, 20. Mai 1928.