Kurzbeschreibung

Die Weimarer Verfassung garantierte die Religionsfreiheit (vor allem in Art. 137, sowie in Art. 124), wodurch zahlreiche kleinere Religionsgemeinschaften und spirituelle Bewegungen, von denen sich viele in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu etablieren begannen, in den 1920er Jahren anwachsen konnten. Sowohl einheimische Propheten als auch Missionare aus dem Ausland, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, trugen zur Verbreitung religiöser und spiritueller Bewegungen und Praktiken bei, von den Christlichen Wissenschaftlern über die Zeugen Jehovas bis hin zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen).

Dieser Artikel, der in einer Stuttgarter Regionalzeitung erschien, listet nur einige der verschiedenen Religionsgemeinschaften auf, die allein in dieser Gegend existierten. Er schloss mit einem Aufruf zur christlichen Einheit angesichts des wachsenden Atheismus und verwies dabei mahnend auf den Rückgang der Religionszugehörigkeit in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert, der sowohl die katholische als auch die protestantische Kirche zutiefst beunruhigte.

Zeitungsbericht über die Vielzahl der religiösen Gemeinschaften in Stuttgart (5. Juni 1930)

Quelle

Nach einer Zusammenstellung der Stuttgarter Stadtmission weiß diese von nicht weniger als 25 christlichen und außerchristlichen religiösen Gemeinschafen neben der Landeskirche und den Freikirchen in Stuttgart zu berichten. Außer den überall bekannten Sekten der Adventisten, Alt- und Neuapostolischen, Ernsten Bibelforschern, Darbisten und der Christlichen Wissenschaften sind auch andere, deren Namen bis jetzt noch unbekannt sind. Da finden sich die „Engel Jehovas“ oder „Neue Erde“ oder „Kleine Herde“, die eine Abart der Ernsten Bibelforscher darstellen. Da ist die „Gemeinde der Urchristenheit“, die sich dem von seinen Wintervorträgen noch sattsam bekannten „Urchristen“ und „Radikalprotestanten“ von Serdiell anschließt. Da findet sich ein offenbar mormonisches „Haus David“ und die „Mormonen, Heilige der letzten Tage“. Zu nennen ist die „Neugeistgemeinde“, die ihre Anhänger im Gustav-Siegle-Haus zu versammeln pflegt. Endlich gibt es auch noch einzelstehende „Evangelisten“, „Missionare“ usw., die eigene Kreise von Gläubigen um sich sammeln. In einer Zeit des atheistischen Generalangriffs täte Einigkeit der christlichen Gemeinde mehr not als je.

Quelle: Süddeutsche Zeitung für deutsche Politik und Volkswirtschaft, Stuttgart, 5. Juni 1930. https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/item/C3WRT2SQCFXCNMNMHPUSGRQJT6V3FL6R?issuepage=13

Zeitungsbericht über die Vielzahl der religiösen Gemeinschaften in Stuttgart (5. Juni 1930), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:document-5467> [16.03.2026].