Quelle

Quelle: Die Unionisierung Mitteleuropas! Ein Wegweiser zum Dauerfrieden, P.A. M. Wien: Selbstverlag des Verfassers, 1920. Online verfügbar unter: https://digital.library.cornell.edu/catalog/ss:19343441
Das Pamphlet mit dem Titel Die Unionisierung Mitteleuropas! Ein Wegweiser zum Dauerfrieden, das dieser Karte beilag, stellte den Versailler Vertrag in Frage, der dem besiegten Deutschland erniedrigende und ruinöse Bedingungen auferlegte: „Glaubt denn wirklich jemand ernstlich, dass durch die Folgen der bisherigen Friedensschlüsse der ewige Frieden gesichert ist?“ (S. 2) In seinem Vorwort schreibt der Autor: „In meinem Projekte ... [entsteht] ein neuer Menschenschlag ... , der alle guten und edlen Seiten jeder einzelnen derzeitigen Nation in sich birgt, bei dem nicht, wie bisher, Völkerhaß sondern Völkerliebe herrscht...“. Der Autor, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung anonym bleiben wollte, schrieb auf der letzten Seite: „Näheres über meinen Namen, Stand und Beruf als Verfasser und Herausgeber dieses Friedenswerkes ist samt diesem Werke bei einem Notar hinterlegt und wird erst dann verlautbart werden, bis sich mindestens die vier Hauptnationen im Rahmen der Union geäußert und ihrer Meinung öffentlich Ausdruck gegeben haben.“ (S. 24) Wahrscheinlich war es P.A. Maaß, der Sohn von Otto Maaß, dem Inhaber des Verlags Otto Maaß‘ Söhne, und diese Karte war Teil seines 24-seitigen Entwurfs für ein kompliziertes utopisches Projekt. Masß' künftige Mitteleuropäische Union sollte aus 24 „Kantonen“ bestehen, jeder ein langer, schmaler Keil, benannt nach der jeweiligen Hauptstadt. Die ungewöhnliche Keilform wurde gewählt, „um die unbedingt vorteilhafteste und gerechteste“ Aufteilung Mitteleuropas zu ermöglichen, so dass die territorialen Streitigkeiten zwischen den europäischen Völkern „für immer aus der Welt geschaffen“ würden. (S. 10) Die Keile sollten sich im Wiener Stephansdom treffen, der in „Sankt Stephan“ umbenannt und zur Hauptstadt der Union ernannt werden sollte. Die Kantone überschreiten kulturelle und ethnische Grenzen ebenso wie traditionelle Staatsgrenzen, und "in der ganzen Union werden nur vier Nationen anerkannt, und zwar: Romanen, Germanen, Slawen und Magyaren. Jede dieser Nationen mit Ausnahme der letzteren, gliedert sich in verschiedene Völkerfamilien, die alle zum selben Stamm der Nation gehören. So zerfallen die Romanen in Franzosen, Italiner, Rumänen – die Germanen in Preußen, Bayern, Holländer, Sachsen, Österreicher, Tiroler etc. – die Slawen in Polen, der Tschechen, Mährer, Ruthenen, Kroaten, Serben etc.“ (S. 14) Die vier Nationen sind auf der Karte in verschiedenen Farben dargestellt, und jeder Kanton umfasst Menschen aus mindestens zwei Nationen. Der Kanton Brüssel zum Beispiel umfasst Romanen, Germanen und Slawen. Unter anderem sollte das Wahlrecht auf alle Personen über 20 Jahre ausgedehnt werden, mit Ausnahme der verheirateten Frauen (S. 14), und Esperanto sollte Amtssprache werden.

Quelle: Die Unionisierung Mitteleuropas! Ein Wegweiser zum Dauerfrieden, P.A. M. Wien: Selbstverlag des Verfassers, 1920. Online verfügbar unter: https://digital.library.cornell.edu/catalog/ss:19343441
Cornell University – PJ Mode Collection of Persuasive Cartography