Kurzbeschreibung

Diese „schwarze Liste“ von Ferienorten, Hotels und Pensionen in Deutschland und Österreich, die Juden gegenüber feindlich eingestellt waren, wurde in der Central-Verein-Zeitung veröffentlicht, einer Wochenzeitung, die vom Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV) herausgegeben wurde. Die 1893 gegründete Organisation vertrat hauptsächlich assimilierte deutsche Juden der Mittelschicht und setzte sich für ihre rechtliche und soziale Gleichstellung ein. Ihre Zeitung beobachtete den Anstieg des Antisemitismus in Deutschland genau und veröffentlichte regelmäßig Listen wie diese, um ihre Leserschaft vor Unternehmen und Gemeinden zu warnen, die Juden nicht willkommen hießen. Viele der beliebten Ferienorte an der Küste und in den Bergen sowie viele Kurorte erklärten explizit, dass jüdische Gäste unerwünscht seien, wie aus der Liste hervorgeht. In der Geschichtsforschung wird diese Ausgrenzungsstrategie als „Bäderantisemitismus“ bezeichnet.

Liste judenfeindlicher Erholungsorte (Mai 1924)

Quelle

Judenfeindliche Erholungsorte.
Bansin (Inserat der Badeverwaltung: „Nur christliche Gäste“).
Borkum.
Dangast.
Ditzenbach i. Württ.
Einöd b. Friesach in Obersteiermark.
Finsterbergen. (Fremdenverkehrsverein versendet Prospekte mit der Aufschrift „Nur für christliche Familien“.)
Haßfurt. (Unterfranken).
Heiligenhafen.
Juist.
Königsfeld i. Schwarzwald. (Prospekt: „Israeliten suchen den Kurort in der Regel nicht auf.“)
Langeoog.
Markt Oberndorf (Landshuter Ztg. vom 1. Mai: Der Gemeindeausschuß gibt bekannt, daß Zuzug jüd. Gäste nicht erwünscht ist.)
Masserberg i. Thür.
Murnau (Bayern).
Spiekeroog.
Understmatt, Schwarzwald. (Das Kurhaus versendet Empfehlungsschreiben mit dem Vermerk: „Für jüdische Empfänger ungültig“.)
Vitte a. d. Ostsee, laut Prospekt judenfrei.
Volderbad bei Hall.
Wald i. Oberpinzgau. (Israeliten ausgeschloss.)
Zinnowitz.

Hotels und Pensionen, die judenfeindlich sind oder denen als ausgesprochen „christlichen Häusern“ jüdischer Besuch nicht willkommen ist.
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Quelle: Central-Verein-Zeitung, 15. Mai 1924, S. 290. UB Frankfurt
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2280387