Kurzbeschreibung

Dieser Wochenschaubericht aus dem Jahr 1932 beleuchtet die schwierige wirtschaftliche Lage im dünn besiedelten Bayerischen Wald, einer Region, deren Lebensgrundlage fast ausschließlich auf Forstwirtschaft, Steinbrüchen und Glasherstellung beruhte. Als die Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash von 1929 auch Deutschland erreichte, war sie in dieser ländlichen Gegend besonders stark zu spüren. In Zwiesel, einem Zentrum der Glasproduktion, beispielsweise war die Arbeitslosigkeit bis 1932 auf erschreckende 75 Prozent gestiegen, und im nahe gelegenen Ort Viechtach waren 350 Kinder auf öffentliche Essensausgaben angewiesen. Die geografische Lage der Region an der tschechischen Grenze verschärfte ihre wirtschaftlichen Probleme, so befürchtet der Bericht, dass diese Gemeinden „fremden Einflüssen” aus der neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik unterliegen könnten. Bis 1918 hatten sich Waren und Menschen dank der engen Beziehungen zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn, zu dem die tschechischen Gebiete zuvor gehörten, recht frei über die Grenze bewegt. Nachdem die Grenze 1918 strenger reguliert wurde, verlangsamten sich Handel und Migration in der Region dramatisch. Dieser Wochenschaubericht fordert daher aus nationalistischen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen eine stärkere finanzielle Unterstützung für den Bayerischen Wald.

Der Bayrische Wald leidet unter den Folgen der Wirtschaftskrise (1932)

Quelle

Sprecher:  Das Gebiet des Bayerischen Waldes leidet besonders schwer unter der Wirtschaftsnot. Die Bayerische Ostmark wurde vom Reich bei Straßen- und Bahnbauten nicht den Bedürfnissen entsprechend berücksichtigt. Das Gebiet ist in Gefahr, fremden Einflüssen zu verfallen. Die Hauptindustrien sind Holz-, Stein- und Glasherstellung.

Glashüttenbesitzer:  In unserer Glashütte haben wir früher 300 Mann beschäftigt, jetzt sind wir nur knapp ein Sechstel in Arbeit.

Sprecher:  Wirtschaftskrise, Grenzlandnot und Naturkatastrophen haben in Zwiesel im Bayerischen Wald die Arbeitslosigkeit so sehr gesteigert, dass bei uns 75% der Bevölkerung erwerbslos sind. Das einzige Verkehrsunternehmen, die private Regentalbahn, hat infolge des Stillliegens der Holz- und Steinindustrie einen 50%igen Verkehrsrückgang und damit größte wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Ort Viechtach müssen 350 Kinder täglich öffentlich gespeist werden.

Quelle: Deuligton-Woche Nr. 7 (Ausschnitt), Februar 1932. Bundesarchiv Filmarchiv, Filmwerk ID: 626167. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/626167/665580

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