Quelle
Quelle: Claire Waldoff, „Raus mit den Männern aus’m Reichstag“ 1926. Musik und Text: Friedrich Hollaender.
Im Jahr 1926, als Claire Waldoff dieses Lied aufnahm, hatten Frauen nur 33 der 493 Sitze im Reichstag inne, also knapp 7 %. Tatsächlich war der Anteil der weiblichen Abgeordneten Mitte der 1920er Jahre gegenüber dem Höchststand von 8,7 % bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1919, als Frauen 37 der insgesamt 423 Sitze innehatten, leicht zurückgegangen. Um den Frauenanteil in den verschiedenen Landtagen stand es ebenfalls schlecht. In Preußen – dem mit Abstand größten der 17 Länder der Weimarer Republik – beispielsweise betrug der Frauenanteil zwischen 1919 und 1933 durchschnittlich nur 6,5 %.
Als Waldoff hier also Friedrich Holländers freche Textzeilen mit ihrem unverkennbaren Berliner Dialekt schmetterte, machte sie damit deutlich, dass genau darin das Problem des Landes lag. Seit Jahrtausenden, so der Liedtext, hätten Frauen all ihre Kraft geopfert, um Männer zu stärken, und nun müssten Frauen selbst „rin in die Dinger“. Waldoff (geb. Clara Wortmann) hatte ihre Karriere als Sängerin mit weit weniger politischen Liedern begonnen, doch in den 1920er Jahren begann sie, sich mit größeren gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen, insbesondere mit der Kluft zwischen der Emanzipation der Frauen auf dem Papier und in der Realität. Trotz der treffenden Kritik dieses Liedes hatten deutsche Frauen allerdings einen höheren Anteil an Sitzen in ihrer nationalen Legislative als ihre Geschlechtsgenossinnen in anderen großen Demokratien. Während die Nationalversammlung der Weimarer Republik bei ihrer Konstituierung 1919 37 Frauen umfasste, gab es im US-Repräsentantenhaus und im britischen Unterhaus jeweils nur eine Frau, und in Frankreich hatten Frauen zu dieser Zeit noch nicht einmal das Wahlrecht.
Quelle: Claire Waldoff, „Raus mit den Männern aus’m Reichstag“ 1926. Musik und Text: Friedrich Hollaender.