Kurzbeschreibung

In diesen beiden Sätzen, „Shimmy“ und „Ragtime“, aus einer Komposition von Paul Hindemith aus dem Jahr 1922, Suite für Klavier (Op. 26), auch bekannt als Suite 1922, offenbart der Komponist den starken Einfluss des Jazz auf seine frühen Werke. Für „Ragtime“, mit dessen Komposition Hindemith im Frühjahr 1921 begann, nahm er die c-Moll-Fuge des Barockkomponisten Johann Sebastian Bach aus dessen Das Wohltemperierte Klavier und überarbeitete sie im schwungvolleren Ragtime-Stil, der sich bereits von Amerika nach Europa verbreitet hatte. Der damals gerade einmal 26-jährige Hindemith schien seinen Ruf als Publikumsschreck zu genießen, indem er das eher biedere Publikum der meisten klassischen Konzerte mit seinenn Werken schockierte. Etwaige Kritik vorausnehmend, schrieb er: „Glauben Sie, Bach dreht sich im Grabe herum? Er denkt nicht dran! Wenn Bach heute lebte, vielleicht hätte er den Shimmy erfunden oder zum mindesten in die anständige Musik aufgenommen.“ [zitiert nach Paul Hindemith, Sämtliche Werke, S. 286]. Hindemith komponierte nicht nur Musik, sondern spielte auch mehrere Instrumente und versuchte sich sogar als bildender Künstler, etwa durch die Gestaltung und Zeichnung des Titelblatts der Partitur zu Suite 1922. Als Komponist der Avantgarde, der sowohl an die Kraft musikalischer Experimente als auch an die Kraft der Musik zur Förderung des Weltfriedens glaubte, zog Hindemith nach 1933 den Argwohn des NS-Regimes auf sich. Innerhalb von fünf Jahren gingen er und seine Frau Gertrud ins Exil, zunächst in die Schweiz und später in die Vereinigten Staaten, wo Hindemith eine Professur an der Yale University annahm.

Paul Hindemith, „Shimmy“ und „Ragtime“ aus Suite 1922 für Klavier op. 26 (1922)

Quelle

Quelle: Paul Hindemith, Ragtime and Shimmy aus Suite 1922 für Klavier op 26, 1922. Aus: The Masters Write Jazz. Piano compositions in the jazz idiom by Stravinsky, Hindemith, Gershwin, Copland, Milhaud, Tansman. Performed by Leo Smit. Dot Records (DLP 3111), 1958. Zugang über Internet Archive