Kurzbeschreibung

Die Tabelle zeichnet die Entwicklung der Schul-, Klassen-, Schüler- und Lehreranzahl an höheren (weiterführenden) Schulen, also Realschulen und Gymnasien, von 1911 bis 1938 nach. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfuhr das Schulsystem in der Weimarer Republik umfassende Reformen, durch die soziale Unterschiede und Chancenungleichheiten in der Schulbildung verringert werden sollten. Mit dem „Weimarer Schulkompromiss“ im Jahr 1919 und dem Grundschulgesetz von 1920 wurde ein Schulsystem aus einer gemeinsamen vierjährigen Grundschule und einer darauffolgenden Aufteilung in ein dreigliedriges Schulsystem eingeführt. Befördert durch höhere staatliche Ausgaben für die schulische Bildung stieg in den 1920er Jahren unter anderem die Anzahl an Lehrern an höheren Schulen. Auch die Schülerzahlen nahmen zunächst zu, ab der Mitte der 1920er Jahre jedoch wieder ab. Ein Geburtenrückgang nach dem Ende des Ersten Weltkriegs führte zu insgesamt sinkenden Schülerzahlen. Durch das „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ vom 25. April 1933 wurden zudem jüdische Schüler:innen fast vollständig aus dem staatlichen Schulsystem ausgeschlossen. Die Nationalsozialisten strukturierten außerdem die höheren Schulen um.

Höhere Schulen (1911-1938)

Quelle

Höhere Schulen

Jahr

Schulen a)

Klassen

Lehrer

Schüler

Schüler pro Klasse

Schüler pro Lehrer

Schüler pro 1000 Einwohner b)

1911

2 515

--

35 339

664 156

--

18,8

10

1921/22

2 415

26 570

42 748

799 490

30,0

18,7

13

1926/27

2 602

--

45 099

843 818

--

18,7

13

1931/32

2 478

--

44 902

786 691

--

15,5

12

1938

2 303

25 806

43 512

662 411

25,7

15,2

10

a) Gymnasien, Progymnasien, Realprogymnasien, Oberreal- und Realschulen, Oberlyzeen sowie sonstige Anstalten (Pädagogien etc.), ohne Vorschulen. Staatliches und privates Schulwesen ließ sich in der von uns gewünschten Differenzierung nicht voneinander trennen, doch war der Anteil der Privatschulen niedrig (1911: 19,8%, 1921/22: 14,6%; 1938: 11%). Wegen der kleineren Schulen war der Anteil der Privatschüler noch geringer (1938: 2,6%).

b) Bevölkerung in der Mitte des (vorhergehenden) Jahres.

Quelle: Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch, Band III, Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914–1945, Hrsg. Dietmar Petzina, Werner Abelshauser und Anselm Faust. München: Verlag C.H. Beck, 1978, S. 167.