Kurzbeschreibung
Als das Radio als neues Medium hervortrat und sowohl
die Kommunikation als auch die Populärkultur nachhaltig veränderte, meldeten
sich Kritiker zu Wort, die Bedenken hinsichtlich dessen Einfluss auf das
tägliche Leben der Menschen anmeldeten. In einem Artikel für die Frankfurter Zeitung von 1924 schrieb der Herausgeber
und Kritiker Siegfried Kracauer: „Auch das Radio zerstäubt die Wesen, noch
ehe sie einen Funken gefangen haben. Da viele senden zu müssen glauben,
befindet man sich in einem Zustand dauernder Empfängnis, trächtig stets mit
London, dem Eiffel-Turm und Berlin. Wer wollte dem Werben der zierlichen
Kopfhörer wiederstehen? Sie glänzen in den Salons, sie ranken sich
selbsttätig um die Häupter – und statt eine gebildete Unterhaltung zu
pflegen, die ja gewiß langweilen mag, wird man zum Tummelfeld von
Weltgeräuschen, die ihrer etwaigen objektiven Langeweile ungeachtet, nicht
einmal das bescheidene Recht auf die persönliche Langeweile zugestehen.“
[Siegfried Kracauer, Werke, Band 5.2, S. 162.
Original: Frankfurter Zeitung, 16. November
1924.]