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Im Juli 1924 fand eine große katholische Prozession statt, um das 900-jährige Bestehen der Stadt Bamberg in Oberfranken zu feiern. Anwesend waren der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli (der spätere Papst Pius XII.), sämtliche Erzbischöfe Deutschlands und zahlreiche weitere kirchliche Würdenträger sowie der ehemalige bayerische Kronprinz Rupprecht und der ehemalige Zar Ferdinand von Bulgarien. Pacelli war seit 1920 Nuntius, also Botschafter des Vatikans in Deutschland. Im März 1924 hatte er ein Konkordat (einen Staatskirchenvertrag) zwischen dem Vatikan und dem Freistaat Bayern ausgehandelt, das die Beziehungen zwischen der Landesregierung und der katholischen Kirche nach dem Ende der Monarchie regelte. Das Konkordat räumte der katholischen Kirche weitreichende Rechte in Bezug auf die Schul- und Hochschulbildung ein und sicherte ihre Finanzierung durch eine Kirchensteuer. Auf diesem Foto des Pressefotografen Georg Pahl nehmen Rupprecht von Bayern (links kniend) und Ferdinand von Bulgarien (rechts kniend) am öffentlichen Gottesdienst in Bamberg teil. Rupprecht von Bayern entstammte der Wittelsbacher Dynastie, deren Könige vor der Revolution im November 1918 auch Oberhaupt der katholischen Kirche in Bayern gewesen waren, lehnte die Republik ab und hoffte auf die Wiederherstellung der Monarchie in Bayern. Ferdinand von Bulgarien hatte nach der Niederlage Bulgariens im Jahr 1918 abgedankt – Bulgarien hatte im Bündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn zu den Mittelmächten gehört– und lebte anschließend im Exil in Coburg, nur 30 Meilen nördlich von Bamberg. Öffentliche Veranstaltungen wie diese zeigten, wie stark der Einfluss der Kirche und der Respekt vor abgedankten Monarchen in vielen Teilen Deutschlands während der Weimarer Republik nach wie vor waren.

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