Quelle

Quelle: Josephine Baker und Joe Alex tanzen den ,,Dance Sauvage," aus: Bryan Hammond und Patrick O'Connor, Josephine Baker, London: Jonathan Cape, 1988, S. 19.
Mitte der 1920er Jahre strömte das Publikum in Berlin und anderen
deutschen Großstädten in Scharen in die Theater, um eine Reihe von
Live-Auftritten schwarzer Künstler auf der Bühne zu sehen. Im Frühjahr
1925 traten die „Chocolate Kiddies“, eine Jazz-Revue in drei Akten mit
Musik, Tanz und Darbietungen afroamerikanischer Künstler, darunter die
Sängerin Adelaide Hall, vor einem begeisterten Publikum in Hamburg und
Berlin auf. 1925/26 eroberte die in St.-Louis geborene schwarze Sängerin
und Tänzerin Josephine Baker Berlin im Sturm, als sie und die
ausschließlich schwarze Besetzung der
Revue Nègre ihre Show (die im Oktober
1925 in Paris uraufgeführt worden war) in der deutschen Hauptstadt
aufführten. Bakers spannungsgeladene, übertriebene Tänze rissen das
Publikum zu Begeisterungsstürmen hin, und die deutsche Kulturzeitschrift
Der Querschnitt schrieb: „Ihr Hintern, bei allem Respekt, ist ein
bewegter Schokoladenpudding.“ Bakers berühmtester Moment in dieser Show,
der „Danse Sauvage“, zeigte sie und den senegalesischen Tänzer Joe Alex
in einer erotisch aufgeladenen und akrobatischen Verflechtung ihrer
Körper. (Baker führte ihren legendären Bananenrock-Tanz erst später auf,
nachdem sie nach Paris zurückgekehrt war, wo sie seit 1924 lebte). Der
Berliner Regisseur Max Reinhardt versuchte, Josephine Baker für ein
längeres Engagement in die Hauptstadt zu locken, doch das Varieté Folies
Bergère machte ihr ein noch attraktiveres Gegenangebot, und sie kehrte
im Spätwinter 1926 nach Frankreich zurück.
Während das deutsche
Theaterpublikum der wohlhabenderen Schichten bei den Auftritten von
Baker und anderen in Begeisterung geriet, erlebte auch ein viel
breiterer sozioökonomischer Querschnitt der Bevölkerung exotisierte
schwarze Körper in den populären Völkerschauen dieser Zeit.

Quelle: Josephine Baker und Joe Alex tanzen den ,,Dance Sauvage," aus: Bryan Hammond und Patrick O'Connor, Josephine Baker, London: Jonathan Cape, 1988, S. 19.
Bryan Hammond