Kurzbeschreibung

Nach dem Ersten Weltkrieg stellten die alliierten Siegermächte die deutsche Provinz Oberschlesien – ein Gebiet, in dem sowohl Deutsche als auch Polen lebten – unter die vorübergehende Verwaltung des Völkerbundes, bis das Ergebnis einer Volksabstimmung feststand, in der die Einwohner der Region entscheiden sollten, ob das Gebiet Teil Deutschlands bleiben oder dem neuen unabhängigen Staat Polen angegliedert werden sollte. Als diese Volksabstimmung schließlich am 20. März 1921 stattfand, stimmten fast 60 Prozent der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland. In den östlichen Regionen der Provinz sprach sich jedoch eine Mehrheit für den Anschluss an Polen aus, was die komplexen regionalen Unterschiede verdeutlichte. Sechs Wochen später, am 3. Mai, starteten polnische Partisanen einen bewaffneten Aufstand, um diejenigen Gebiete Oberschlesiens mit zahlhafter polnischer Bevölkerung an Polen anzuschließen. Die deutsche Bevölkerung hatte ebenfalls bewaffnete Einheiten gebildet und erhielt zusätzliche Unterstützung durch Freikorps-Einheiten, von denen viele aus dem benachbarten Niederschlesien kamen. Dieser Ausschnitt aus einer Messter-Wochenschau aus dem Jahr 1921 zeigt diesen komplizierten und seit langem schwelenden Konflikt zwischen zwei miteinander verflochtenen und gegeneinander aufgebrachten Gemeinschaften aus einer einseitig deutschen Perspektive. Unterdessen hatte die Interalliierte Kommission aus Frankreich, Großbritannien und Italien bereits nach Abschluss der Volksabstimmung im März mit Verhandlungen über einen Teilungsplan für Oberschlesien begonnen, der sowohl die polnischen als auch die französischen Interessen berücksichtigen sollte. Am 20. Oktober 1921, nach mehreren Plänen und monatelangen Verhandlungen, verkündeten die Alliierten die Teilung Oberschlesiens in zwei Teile, anstatt die gesamte Provinz an Deutschland zurückzugeben. Deutschland erhielt den größeren Teil der Provinz, der jedoch überwiegend aus landwirtschaftlich genutztem Land bestand, während Polen die Kontrolle über das Industriegebiet im Osten Oberschlesiens übernahm. Die deutsche Regierung unter Reichskanzler Joseph Wirth trat fünf Tage später aus Protest gegen die Missachtung des Plebiszitergebnisses zurück, doch dies änderte nichts an der Entscheidung der Alliierten. Deutschland erkannte die Teilung schließlich am 15. Mai 1922 mit der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Abkommens über Oberschlesien an.

Wochenschaubericht über die Aufstände in Oberschlesien (1921)

Quelle

Quelle: Messter-Woche (Ausschnitt), 1921. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 22787, https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/22787/630637

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