Kurzbeschreibung

Der Stummfilm Kreuzzug des Weibes von Martin Berger aus dem Jahr 1926 griff direkt die hitzigen Debatten der damaligen Zeit über Abtreibung auf und setzte sich klar und emotional bewegend für das Recht der Frauen und Familien auf Selbstbestimmung über ihre Familienplanung ein. Die Handlung kritisiert die Doppelmoral in den meisten modernen Gesellschaften, in denen die Reichen gesetzliche Hindernisse umgehen können, während die Armen strafrechtlich verfolgt werden. Dieser Ausschnitt zeigt einige der wichtigsten Szenen des Films. In den Eröffnungsszenen stirbt eine arme Mutter von vier Kindern an den Folgen einer selbst herbeigeführten Abtreibung, zu der sie sich gezwungen sah, weil kein Arzt bereit war, ihr zu helfen. Die Behörden beschließen sogar, ihren Mann als Mittäter ihrer illegalen Verzweiflungstat strafrechtlich zu verfolgen. Unterdessen bedient eine wohlhabende Frau sich ihrer Beziehungen und ihres Geldes, um sich ohne Strafe eine medizinische Abtreibung zu sichern. Als eine dritte Frau, eine junge Lehrerin, vom psychisch kranken Sohn der Portierfrau vergewaltigt wird, erklärt sich ihr Arzt bereit, ihr bei einer Abtreibung zu helfen, doch der Verlobte der jungen Lehrerin – ein verbissener, streng nach dem Gesetz handelnder Staatsanwalt – besteht darauf, dass alle Schwangerschaftsabbrüche bestraft werden müssen. In der Szene, die den dramatischen Höhepunkt der Handlung markiert, ändert der Staatsanwalt jedoch seine Meinung, nachdem er eine eindringliche Vision hat, in der alle Opfer von verpfuschten, illegalen Abtreibungen geisterhaft an ihm vorbeiziehen. Deutsche Aktivistinnen und Aktivisten drängten in den 1920er Jahren zunehmend auf eine Reform des Paragraphen 218 des deutschen Strafgesetzbuches, der Abtreibungen unter Strafe stellte und Gefängnisstrafen für die Frauen vorsah, die eine Abtreibung vornahmen oder vornehmen ließen, sowie für jeden, der eine Abtreibung durchführte oder dabei half. Die Reformbewegung feierte im Frühjahr 1926 einen kleinen Erfolg, als ein neues Gesetz Abtreibung von einem Verbrechen zu einem Vergehen herabstufte und damit auch die Strafe milderte. Einige Monate später, am 1. Oktober 1926, feierte Kreuzzug des Weibes in Berlin Premiere und wurde trotz des anhaltenden und heftigen Widerstands von sozialkonservativer Seite, darunter die katholische Zentrumspartei und Kirchenvertreter, schnell zu einem Publikumserfolg.

Kreuzzug des Weibes (1926)

Quelle

Quelle: Kreuzzug des Weibes, Regie: Martin Berger, Internationale Film Exchange, 1926. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 1510. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/1510/681897

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