Quelle
Quelle: Von Heidelberg durch das Neckartal nach Rothenburg und Würzburg, Regie: Paul Wolff, Wolff-Film für die Deutsche Reichsbahngesellschaft, 1927. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 72964
Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft produzierte diesen Werbefilm 1927, um nordamerikanische Touristen für die historischen Städte, Kurorte und landschaftlichen Schönheiten des Neckartals zu begeistern und engagierte dafür den talentierten Filmemacher Paul Wolff. Wolff hob den Charme der ,,alten Welt" hervor und tauchte die gefilmten Orte – darunter die geschäftige Stadt Heidelberg – in den romantischen Glanz vormoderner Rhythmen, von Pferdewagen bis hin zu einem Hirten, der seine Schafherde hütet. Eine Szene mit kostümierten Darstellern verkündete beispielsweise, dass Kurfürst Friedrich von der Pfalz noch immer Gäste in seinem Schloss empfing, so wie er es seit 300 Jahren getan hatte. Die Szene spielte augenzwinkernd auf die Erwartungen der Touristen an, Burgen und Aristokraten zu sehen, ließ dabei jedoch die Gründung der Republik im Jahr 1918 und die Abschaffung der Adelstitel außer Acht. Gleichzeitig versicherte der Film den Reisenden, dass sie entlang der Route moderne Annehmlichkeiten vorfinden würden, insbesondere in den Kurorten und komfortablen Hotels.
In den 1920er Jahren reisten dank steigender Einkommen und einer starken Wirtschaft mehr Nordamerikaner nach Europa als je zuvor. Der malerische Charme dieses Films war eines von vielen Werbemotiven, mit denen Deutschland diese Touristen anzuziehen versuchte. Andere Werbematerialien aus derselben Zeit verfolgten den gegenteiligen Ansatz und präsentierten das kosmopolitische Berlin. Die Deutsche Reichsbahn nahm unterdessen im Vergleich zu anderen Teilen der nationalen Infrastruktur in der Weimarer Republik eine Sonderstellung ein. Als zentraler Bestandteil des Dawes-Plans von 1924, der darauf abzielte, die Reparationszahlungen Deutschlands an die siegreichen Alliierten zu verbessern und zu regulieren, diente die Reichsbahn als Sicherheit. Die Gläubiger konnten zudem einen Teil der Gewinne abschöpfen. Ausländische Touristen, die mit der Bahn reisten, trugen also indirekt zum relativ reibungslosen Funktionieren des Reparationssystems in den späten 1920er Jahren sowie zu den Profiten einiger ihrer Landsleute unter den Gläubigern bei. Wolff produzierte diesen Film zu dem Zeitpunkt, als er begann, sich fast ausschließlich der Printfotografie zuzuwenden, dem Medium, in dem er seine bekanntesten künstlerischen Arbeiten schuf.
Quelle: Von Heidelberg durch das Neckartal nach Rothenburg und Würzburg, Regie: Paul Wolff, Wolff-Film für die Deutsche Reichsbahngesellschaft, 1927. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 72964
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