Kurzbeschreibung

Mitte der 1920er Jahre strömte das Publikum in Berlin und anderen deutschen Großstädten in Scharen in die Theater, um eine Reihe von Live-Auftritten schwarzer Künstler auf der Bühne zu sehen. Im Frühjahr 1925 traten die „Chocolate Kiddies“, eine Jazz-Revue in drei Akten mit Musik, Tanz und Darbietungen afroamerikanischer Künstler, darunter die Sängerin Adelaide Hall, vor einem begeisterten Publikum in Hamburg und Berlin auf. 1925/26 eroberte die in St.-Louis geborene schwarze Sängerin und Tänzerin Josephine Baker Berlin im Sturm, als sie und die ausschließlich schwarze Besetzung der Revue Nègre ihre Show (die im Oktober 1925 in Paris uraufgeführt worden war) in der deutschen Hauptstadt aufführten. Bakers spannungsgeladene, übertriebene Tänze rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin, und die deutsche Kulturzeitschrift Der Querschnitt schrieb: „Ihr Hintern, bei allem Respekt, ist ein bewegter Schokoladenpudding.“ Bakers berühmtester Moment in dieser Show, der „Danse Sauvage“, zeigte sie und den senegalesischen Tänzer Joe Alex in einer erotisch aufgeladenen und akrobatischen Verflechtung ihrer Körper. (Baker führte ihren legendären Bananenrock-Tanz erst später auf, nachdem sie nach Paris zurückgekehrt war, wo sie seit 1924 lebte). Der Berliner Regisseur Max Reinhardt versuchte, Josephine Baker für ein längeres Engagement in die Hauptstadt zu locken, doch das Varieté Folies Bergère machte ihr ein noch attraktiveres Gegenangebot, und sie kehrte im Spätwinter 1926 nach Frankreich zurück.
Während das deutsche Theaterpublikum der wohlhabenderen Schichten bei den Auftritten von Baker und anderen in Begeisterung geriet, erlebte auch ein viel breiterer sozioökonomischer Querschnitt der Bevölkerung exotisierte schwarze Körper in den populären Völkerschauen dieser Zeit.

Josephine Baker und Joe Alex führen den „Danse Sauvage“ auf (1925)

Quelle

Quelle: Josephine Baker und Joe Alex tanzen den ,,Dance Sauvage," aus: Bryan Hammond und Patrick O'Connor, Josephine Baker, London: Jonathan Cape, 1988, S. 19.

Bryan Hammond