Quelle
Das iii Capittel
Nachdem ich nun solchs alss wie obgemelt den herren unn schafnern der stadt Strosburch hab angezeigtt und die botschaft aussgericht/da hat mich in der nacht darnach aber eyn mall ummgeben der schein des Herren und hat mir in mein hertzs hefftich geredtt/und mit solchen wortten sprechende: Wollauff/du must fadanacket unn ploss da hin/die mort glock muss geleuetet werden ehe den es dag wuert.
Zu der selbigen stundt must ich auff sein/unn was kein bleiben nach vorzihens da/unn ich saget zu meiner frawen: Ursull ich muss da van wie mier gesagt ist fadanacket/da ich nun auff die Strossen unn gassen kam yhn den lufft/da gingen alssbald mir meine arm van ein nander/unn ich fur dar van/das ich auh nit kan wissen ob ich auff der erden bliben sey oder nit.
Zu der selbigen stundt ist mir mein mundt aufgangen/und ich hab muessen redden und uber lauth schreyen: Morth uber morth/das kindt ihn muther leib muss unn wuert erschrecken/ehe dan das Gottes wort geffasset wuert.
Mordio aber ein mall/wisten alle fuersten und herren/das yhnnen aussgezogen soll warden yhr herrliches kleit/vor Gott und der welt/das sie wider Got antragen/sie wuerden auch all mit mir schreyen morth und morth.
Aber nach solchen wuert sich wider erfrouwen das kind in muther leib/unn wuert werden vill frid/allen dennen die traurig seind gewessen.
In dissent obgemelten geschrey bin ich also nakedt begriffen/unn van den nachbaurn gefangen worden/und den obgemelten Rotherren Hertto Ludwigen uber andwort worden/unn er hatt mich des morgens in den Spitall uberandwort/unn mich den schaffner endpfollen.
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Das vi Capitell
Aber dem nach haben sie mich/die weil sie meinthen ich were meiner sin heraupt/Gott Weiss allein wie yhm was/gelegt und erst gefuert in eyn weithere gefencknus/als in das betzen huesslein.
Da ich nun fuer die selbigen gefencknus kam/da fyng an mein hertzs zu redden unn sprach durch mich der schein des herren/zu der lincken seitten neben mir ligt ein man/der selbig wuert sagen/warumm ich hie bin/und wuert mich verrathen. Als ich nun in das betzen huesslein kam/unn sie allevan mir wichen/ich zu meinen nachpaurn Erassmus Lentzen sprach/der dan noch zu gegen bey den bettzen huesslein war/gept myr eyn handt/und ich wil euch anzeigen das disse ding nitt auss myr seindt/sunder auss Gott/und da van weiss er noch zu sagen .
Da nun yderman van mir kam/geschach ein stim zu mir und sprach/wend dein beth herrumher/und zu der rechten seitten deines gemachs ligt Adam und zu der lincken Cain/der da ist der erst gewessen/so wider Gott angeffangen hatt zu herschen/
Und als solch stim fuer was/da hoert ich ein man der zu der gerechten seitten neben myr in einen gemach lag/den ich nicht kand/unn ich auch noch nitt weiss werr er gewesen ist. Der selbige fing an/und schrey mit grosser stim/und deth das allen tag zweymall obends und morgensalso sprechende: fewrio/fewrio uber meine kinder/helftt myr wider zu yhnnen/Linhart van Strossburg hat verlassen weib und kindt um Gottes willen.
Als nu die nacht herzu fiel/und ich itzt zu obet gessen hett/unn mich zu der rw gelegth/da hat aber ein mall die klarheit des Herren mein hetzs turch trungen und um geben/und hatt mein hertzs unn mundt uberlauth angeffangen zu redden/und also gesagt: Bist du ein gnad van Gott/was wiltu durch mich wercken/so ein arme unn vorachte creatuer/dan man hatt mich hie her gelegth/das man mich weder sehen noch hoerren will/und man voracht mich gar.
Da hatt das wunder des herren zu mir gesagt und gesprochen: vill warden dich hoerren und doch nitt hoerren/will warden dich sehen und doch nitt sehen/vill warden dich hoerren und doch nitt sehen/vill warden dich sehen und doch nitt hoerren Du hast ein dochter die heist Elizabeth/was sie ist alth. 14.ior/so sollmich das folck sehen in klorheitt und gross wunder erkennen/und will ich auch zu der selbigen zeit alles folck ergetzen yhres leyds/dan da ich dich auff geweckt hab zu Hannaw auff den Rheyn/yhm 22.ior/hatt sich mein hertzs erbidempt uber die van Israel.
Aber ich hab auss gelassen meinen athem uber sie/und sie meine schoefflein erleuchtet/meyne schoff hab ich erschreckt yhn yhrer arbeit/unn yhn yhren heuessern/und in den hecken/das sie nun foerther hin reden werden die Goettlichen warheit ahn alle schrift/und werden mich erkennen vam minsten biss auff den meinsten.
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Das x Capitell
Weither so ist abermals dis wunder unn der schein des herren uber mich komen/und hatt mein hertzs ummgeben/und zu mir also gesagt/sag deinen brudern und sprich/geth hin wider in das hauss Israel/sag yhn das sie sich halten an mein weg allein/yhr sollet nit merr segnen wasser und saltzs/wan ich hab gesegneth das gantzs erdrich. Sie haben mein wortt verdunckelt/unn yhr wortt weit auss gebreit/aber wenig seind der wort/dadurch man salig wurt.
Sie haben gesucht yhr ehr und geitzs/ich aber will zu stoeren die falschen schriften yhres dands/die sie neben meinen wort eingeffuertt haben. Sag auch deinen brudern/das sie sich nit meer schelten lassen herren und grosse prister/wen Got ewer aller vatter ist allein der Herr/allein der Hoechst/unn Christus der oberst prister unn meinster.
Ir solt euech unwurdig achten zu nissen allein das brot des nachtmalss/das durch die wortt des evangelions und des herren nachtmalss gesegneth wurt/Sundern solt das auch mit theillen den andern/so hungrich und durstich dar zu seindt/und solleth further hin umm acht unn neuner zeit wan die schofflein van der rwe komendt seindt/yhnen vorkunden das heilig evangelion/sie lerren setzen allen glauben/und hoffnung/und zu versicht in mich allein.
Ein solches zeiget ich an den man/der mein ausswarttet mit essen un trincken/wie der schein des Herren/und die wunder Gottes uber mich komen weren/und begerth van yhm papier und dinthen/einn solches zu beschreiben/da sagtt der selbige zu mier/du fantessirst abereinst/kanstu doch nitt schreyben/In dem kam zu mir ein gutter brueder/mit namen Veith Schelhamer/dem sagt ich alle disse geschicht/da ging er hin/und bracht einen aus den predicanten/unn er schreib van mir alle geschicht/sampt dissent reden und wortten.
Da ich nun wider aus dem betzen heusslein kam/und wider in den spitall in die gemein stuben gebrocht ward/da liss ich zu mir komen die predicantten/als den Doctor/und auch den zymmprion/unn alss sie zu mir kamen/da frogeth ich sie also sprechende: Was haltet yhr van der klorheit/die mich also bezwingt zu reden und zu schreyen/alss nemmlich die drey stimmen/und das ander/welches oben stadt/auf ein solch haben sie mir geandwort/unn vormeinth/es werr des dueffels gespenst/ich solt es bass probiren/unn solt darnach aus spewen.
Da sprach ich zu yhnen/ist das ein gespenst/so ist al unsser glaub nichts/wen also hab ich geredt und gebetten allweg/wenn es zu mir komen ist/und noch kommpt. Almechtiger ewiger Gott. Du hast mich beschaffen/und all meine fusstridt stand in deinen gwaltt ich bitt dich fur mich nitt in versuchung/ist das ein gnod van dyr/ya was du dan wiltt/das will ich auch/und so kom/unn wan bey mier/und lerr mich deinen willen/bistu aber nit ein gnod/so weich weitt van mier. Auff ein solches haben mir die obgemelten nit geandwortt/da batt ich/das sie Gott den vatter solten fuer mich bitten/wer es ein gespenst und ein anffechtung/das er mich da van wolt endbinden/und batt sie weither/das sie forsten und herren/und die fromen stadthalter und regenten aller stedt vor augen hetten/wan sie unsere hirtten werren/und hie mit schieden sie van mir.
Weiterführende Literatur
Christina Moss, “‘Your Sons and Daughters Shall Prophesy’: Visions, Apocalypticism, and Gender in Strasbourg, 1522-1539,” PhD diss., University of Waterloo, 2019, S. 263-264, 267-268, 273-275.
Christina Moss, An Examination of the Visions of Ursula Jost in the Context of Early Anabaptism and Late Medieval Christianity. University of Waterloo, 2013.
Erik. H. C. Midelfort, Witchcraft, Madness, Society, and Religion in Early Modern Germany: a Ship of Fools. Farnham, Surrey, England: Ashgate, 2013.
Jonathan Green, “The Lost Book of the Strasbourg Prophets: Orality, Literacy, and Enactment in Lienhard Jost’s Visions.” The Sixteenth Century Journal 46, no. 2 (2015): 313–329.
Quelle: Linhard Jost, Ein Worhafftige Hohe und Feste Prophecey des Linhart Josten van Stroßburg, Deventer: Albert Paffraet, 1532, Fol. B3r, B4r-v, C2v-C3v. Online verfügbar unter: https://digital.onb.ac.at/OnbViewer/viewer.faces?doc=ABO_%2BZ169334206