Quelle
Verhör über Blaurock and Felix Manz
Růdy Thoman von Zollickenn git sin antwurt: Er heige die letzi mit dem alten helffer [Johannes Brötli] und dem von Witickenn [Wilhelm Röubli] wöllenn eßenn und hab sy inn sin huß geladen und sunst von niemands nüdt gewüst; da kemint sunst vil ander, je das die stubenn voll wurd. Und under anderem, wie sy mit einanderen rettind und lang leßind, da stünde Hans Bruggbach von Zumigen uff, weinete und schrüyve, wie er ein großer sünder were und das sy gott für inn bettind. Da fragte inn Blawrock ob er der gnad gots begerte, spreche er ja. Da stünde Mantz uff und seiti: „Wer wil mir weren das ich den nit touffe?“ Da antwurte Blawrock: „Niemandt!“ Neme also ein getzi mit waßer und touffte inn im namen gott vatters, gott suns, gott helgen geists. Demnach stůnde Jacob Hottinger uff, begerte des touffs. Den touffte Felix Mantz ouch. Also giengint die anndren all hinweg und blipint Mantz und Blawrock by im über nacht. Morndis stůndint sy früy uff. Da seite Blawrock zů sinem tochterman Marx [Boßhart]: „Du bist bißhar ein jung frölich man gsin und můst ein annder mensch werden, den alten Adam von dir thůn und ein nüwen an dich leggenn und dich beßeren [1. Kor. 15, 45–53; Eph. 4, 22–27].“ Antwurte Marx, er wölte sin bests thůn. Da fragt der Blawrock, ob er der gnaden gottes begerte. Und wie er ja sprech, redte Blawrock: „Kum herzů, so wil ich dich ouch touffenn.“ Da gienge Marx zůhin, da touffte inn der Blawrock. Da seiti der Blawrock zů im, er [Thoman] weri ein alter man und weri nun dem tod nachend, und er sölte sich beßeren und wenn er der gnaden gots begerte, so wett er inn ouch touffenn. Und wie er ja seite, da touffte er inn ouch. Demnach habe der Blawrock kein růw wöllen han, biß er das gantz hußgsind touffte. Bitt mine herren, im das best zethünd, dann er weder vor noch darnach nie nüdts mit inen gehandlett habe, dann uff die nacht. Er habe ouch deren nie dheinen bekent.
Er seit ouch witer, wie sy ein brott uff dem tisch hettind, da redte Blawrock: „Wer da gloubt, das inn gott mit sinem sterben und roßenfarbenn blůtt erlöst habe, mit vil annderen worten, der kome und eße mit mir ab dem brott und drincke mit mir von disem win.“ Da eßind und drinckind ettlich darvon.
Hans Stop, Hans S. Hans Hag[er].
Quelle: Quellen zur Geschichte der Täufer in der Schweiz, herausgegeben von Leonard von Muralt und Walter Schmid. Band 1. Zürich: S. Hirzel Verlag, 1952, S. 42–43.