Kurzbeschreibung

Die Studierendenzahl in Deutschland unterlag zwischen 1914 und 1943/44 einigen Schwankungen, wobei Wirtschaftskrisen und die zwei Weltkriege einen entscheidenden Faktor darstellten. Waren zwischen 1914 und 1918 viele männliche Studenten zum Kriegsdienst eingezogen, stiegen die Studierendenzahlen nach Kriegsende bis zum Sommersemester 1919 auf über 100.000 Studierende und damit über das direkte Vorkriegsniveau an. Die Statistik erfasst zudem auch ausländische Studierende, die während des Krieges womöglich das Land verlassen mussten. Der zeitweise Rückgang der Studierendenzahlen in den Jahren 1924/25 ist sowohl auf den Rückgang der Inflation und damit verbunden bessere Anstellungsaussichten zurückzuführen als auch darauf, dass nun die Generation der Kriegsteilnehmer ihr Studium beendete. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hatten deutsche Universitäten langsam begonnen, auch Frauen zum Studium zuzulassen, deren Immatrikulation bis 1933 zunächst stetig zunahm. Während der Weltwirtschaftskrise zögerten viele Studierende aufgrund der schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt ihren Abschluss heraus. Die Gesamtzahl der Studierenden erhöhte sich dadurch. Nach 1933 nahm die Zahl der Studierenden ab. Dies hatte mehrere Ursachen: Jüdische Personen wurden durch antisemitische Gesetzgebungen aus den Universitäten und dem Wissenschaftsbetrieb verdrängt, der Anteil an Frauen unter den Studierenden sollte begrenzt werden, Karrierewege außerhalb der akademischen Welt genossen ein höheres Ansehen und waren häufig auch mit besseren Berufsaussichten verbunden. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden viele Studenten von der Wehrmacht eingezogen. Die Zahl der weiblichen Studierenden stieg hingegen im Verlauf des Krieges an.

Studierende an wissenschaftlichen Hochschulen (1914-1943/44)

Quelle

Studierende an wissenschaftlichen Hochschulen a)

Semester

Studierende b)

Insgesamt

Studentinnen Anzahl

%

Studierende pro 10 000 Einwohner c)

SS 1914

79 511

4 313

5,4

11,7

WS 1914/15

36 201

7 409 g)

20,4

5,3

SS 1915

22 900

4 813 g)

21,0

3,3

WS 1915/16

20 010

4 927 g)

7,6

2,9

SS 1916

22 225

5 793 g)

26,1

3,2

SS 1917

23 387

7 752 g)

32,3

3,4

SS 1918

25 430

7 573

29,8

3,8

WS 1918/19

46 180

7 861

17,0

6,9

ZS 1919 d)

61 656

3 017

4,9

9,8

SS 1919

100 133

8 578

8,5

15,9

WS 1919/20

115 336

8 335

7,2

18,3

SS 1920

115 633

8 676

7,5

18,7

WS 1920/21

119 609

8 693

7,2

19,3

SS 1921

120 196

8 890

7,4

19,2

SS 1922

120 557

8 882

7,4

19,7

SS 1923

125 306

9 883

7,9

20,3

WS 1923/24

114 363

9 421

8,2

18,5

SS 1924

100 751

8 368

8,3

16,3

WS 1924/25

93 566

7 532

8,0

15,1

SS 1925

90 970

7 612

8,4

14,6

WS 1925/26

87 348

7 637

8,7

14,0

SS 1926

95 255

8 539

9,0

15,1

SS 1927

101 005

10 336

10,2

15,9

SS 1928

111 582

12 894

11,5

17,5

SS 1929

122 374

15 955

13,0

19,1

SS 1930

129 708

18 813

14,5

20,2

SS 1931

134 767

21 195

15,7

20,8

WS 1931/32

126 632

20 256

16,0

19,6

SS 1932

127 580

19 998

15,7

19,6

WS 1932/33

121 137

18 910

15,6

18,7

SS 1933

115 197

17 739

15,4

17,7

WS 1933/34

108 053

15 629

14,5

16,6

SS 1934

92 622

12 680

13,7

14,1

SS 1935

72 802

10 175

14,0

10,9

WS 1936/37

64 482

8 343

12,9

9,5

WS 1937/38

58 325

6 698

11,5

8,5

SS 1939 e)

56 477

6 249

11,1

8,1

H.T. 1939 e,f)

36 239

5 875

16,2

5,2

2.T. 1940 e,f)

39 885

8 590

21,5

5,7

SS 1941 e)

40 968

13 641

33,2

5,8

WS 1941/42 e)

52 344

14 887

28,4

7,4

WS 1942/43 e)

63 636

21 607

33,9

9,0

SS 1943 e)

61 066

27 174

44,5

8,6

WS 1943/44 e)

44 783

27 442

61,3

6,3

a) Universitäten, Technische, Tierärztliche, Landwirtschaftliche, Forstliche, Philosophische-theologische Hochschulen, Handelshochschulen, Hochschulen für Leibesübungen sowie Bergakademien; ohne Pädagogische Akademien und Institute sowie Kunst- und Musikhochschulen.

b) Immatrikulierte Studierende, einschließlich Ausländer, ohne Gasthörer.

WS 1914/15 – SS 1919 ohne die Immatrikulierten, die wegen Kriegsdienstleistung vom Belegen der Vorlesungen befreit waren (im Schnitt 60-70% der Immatrikulierten). Obwohl sie nicht nach Geschlecht ausgewiesen sind, wurden sie in dieser Aufstellung von den Studenten abgezogen. Ab SS 1925 ohne die Beurlaubten bzw. vom Belegen von Vorlesungen befreiten Immatrikulierten.

c) Reichsbevölkerung in der Mitte des Jahres. Studierendenanteil im Wintersemester bezogen auf den Bevölkerungsstand der vorhergehenden Jahresmitte.

d) Im Frühjahr 1919 wurde ein Zwischensemester eingeschoben, um den Kriegsheimkehrern den Übergang an die Hochschulen zu erleichtern.

e) Gebietsstand: 31.12.1937.

f) Auf das Sommersemester 1939 folgte ein Herbsttrimester; das Jahr 1940 wurde in drei Trimester geteilt; 1941 gab es vor dem Sommersemester noch einmal ein Trimester.

g) Die stark schwankenden Zahlen der Studentinnen erklären sich vor allem aus den teils jährlich sehr unterschiedlichen, teils fehlenden Angaben in der Rubrik „Allgemeines Vorlesungswesen der Oberschulbehörde Hamburg“, wo im SS 1914 827, im WS 1914/15 3340, dann bis WS 1916/17 überhaupt keine, und im SS 1917 894 Studentinnen ausgewiesen sind.

Quelle: Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch, Band III, Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914–1945, Hrsg. Dietmar Petzina, Werner Abelshauser und Anselm Faust. München: Verlag C.H. Beck, 1978, S. 169–70.