Kurzbeschreibung
Horst Wessel (1907-1930), ein Pastorensohn aus bürgerlichen
Verhältnissen, war 1926 als Jurastudent der NSDAP beigetreten. Er brach
sein Studium jedoch zwei Jahre später ab und schlug sich mit
Gelegenheitsjobs durch. Gefördert vom Berliner Gauleiter der NSDAP
Joseph Goebbels, stieg er innerhalb der SA schnell auf. Die von ihm
angeführte SA-Sturmtruppe im Berliner Arbeiterbezirk Friedrichshain war
als brutaler Schlägertrupp bekannt, der die Auseinandersetzung mit
kommunistischen und sozialdemokratischen Gruppen suchte. Im Januar 1930
wurde Wessel von einem Kriminellen, der KPD-Mitglied war, in seiner
Wohnung mit einer Schusswaffe verletzt wurde und starb später an den
Folgen. Ob die Tat politisch motiviert war oder einen privaten
Hintergrund hatte, ist unklar. Ungeachtet dessen stilisierte die
NS-Propaganda ihn zum Märtyrer. Bereits seine Beerdigung, die unter
polizeilicher Bewachung stattfinden musste, wurde von den
Nationalsozialisten propagandistisch ausgenutzt und mit Filmaufnahmen
festgehalten. Ein von Wessel verfasstes Kampflied wurde nach ihm benannt
und zur Parteihymne erklärt, und nach der Machtübernahme wurden Straßen
und Gebäude nach ihm benannt. Diese Aufnahme des Pressefotografen Georg
Pahl zeigt den Trauerzug, der unter Polizeischutz an zahlreichen
Passanten vorbeizieht.