Quelle

Am 1. Juni 1924 fand im Lustgarten in Potsdam ein „Fürbittgottesdienst [eine Zeremonie, bei der um Gottes Segen gebeten wird] für den Rhein, die Ruhr und die Pfalz“ statt. Der protestantische Pfarrer Esser aus Berlin, der die Predigt hielt, ist im Vordergrund auf der Kanzel neben dem mit dem Eisernen Kreuz geschmückten Altar zu sehen. Hinter ihm sind links uniformierte Männer zu sehen, vermutlich Angehörige der Reichswehr, während im Hintergrund rechts Gottesdienstbesucher in Zivil zu sehen sind. Der Altar steht direkt vor dem Denkmal für Friedrich Wilhelm I., den preußischen „Soldatenkönig“, der einen Teil dieses am Ende des 16. Jahrhunderts angelegten Schlossgartens in einen militärischen Exerzierplatz umwandeln ließ. Fürbitten, in denen um Gottes Schutz und Segen für eine Gemeinschaft gebeten wird, sind sowohl Teil der protestantischen als auch der katholischen Tradition und ein besonders wichtiger Bestandteil der Gottesdienste am fünften Sonntag nach Ostern. In diesem Fall wurde für das Rheinland und die Pfalz gebetet, die seit dem Ende des Ersten Weltkriegs von französischen und belgischen Truppen besetzt waren, sowie für das Ruhrgebiet, das seit Januar 1923 besetzt war. Die evangelische Kirche, die während des Kaiserreichs enge Verbindungen zur Hohenzollern-Monarchie und damit zur Reichsregierung hatte, besonders in Preußen, wurde während der Weimarer Republik von Geistlichen mit nationalkonservativer Einstellung dominiert. Kirchenführer kritisierten oft die Trennung von Kirche und Staat, lehnten die Erfüllung der Bestimmungen des Versailler Vertrags ab, und hofften auf eine Rückkehr der Monarchie.

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