Quelle
Quelle: Interwar Germany, Nuremberg rally 1923. USHMM: RG-60.4222. Zugang über das United States Holocaust Memorial Museum mit freundlicher Genehmigung des Bundesarchivs
Dieser kurze Dokumentarfilm zeigt Szenen eines zweistündigen Marsches anlässlich des „Deutschen Tages“ in Nürnberg am 2. September 1923, an dem 100.000 Rechtsextreme aus dem ganzen Land teilnahmen – die größte Teilnehmerzahl seit Beginn der Veranstaltung im Jahr 1920. Eine frühe Szene zeigt uniformierte Mitglieder des ultranationalistischen und antisemitischen Jungdeutschen Ordens, gefolgt von denen der SA (Sturmabteilung), der paramilitärischen Stoßtruppe der NSDAP. Ein Zwischentitel weist auf die Anwesenheit Adolf Hitlers hin, doch identifizierte der Film einige der anderen führenden extremistischen Akteure nicht, die in verschiedenen Einstellungen zu sehen sind und deren Titel dem Geschehen eine gewisse Legitimität verliehen, darunter General Erich Ludendorff, Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und der bayerische Justizminister Christian Roth. Ein Nürnberger Kinobesitzer, Philipp Nickel, drehte und produzierte den Film für seine eigene Filmgesellschaft, da er dessen Nachrichten- und Dokumentationswert offenbar klar erkannte.
Dieser „Deutsche Tag” gedachte speziell dem Jahrestag des triumphalen Sieges Deutschlands über Frankreich in der Schlacht von Sedan im Jahr 1870 und knüpfte an die Initiative des Deutschen Tages im Oktober des Vorjahres in Coburg an – einer gewalttätigen antirepublikanischen und antisemitischen Provokation, die vom Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund organisiert worden war. Solche Versammlungen gewannen nach dem gescheiterten rechtsextremen Kapp-Putsch im März 1920 langsam an Dynamik, und das Land Bayern – in dem sowohl Coburg als auch Nürnberg liegen – bot einen besonders fruchtbaren Boden für das Wachstum solcher extremistischer Gruppierungen und Organisationen. Die erst drei Jahre alte NSDAP war nur eine von vielen Organisationen bei dieser Versammlung im Jahr 1923 doch paradenähnliche Aufmärsche wie dieser wurden später zu einem der Markenzeichen der Partei.
Quelle: Interwar Germany, Nuremberg rally 1923. USHMM: RG-60.4222. Zugang über das United States Holocaust Memorial Museum mit freundlicher Genehmigung des Bundesarchivs
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