Kurzbeschreibung

Dieser 17-minütige Ausschnitt aus dem Nazi-Propagandafilm Blutendes Deutschland von 1932 präsentiert die Sichtweise der NSDAP auf die jüngste deutsche Geschichte unter dem „Weimarer System“. Durch eine Zusammenstellung von Filmmaterial aus dem vorangegangenen Jahrzehnt aus verschiedenen Quellen und die Untermalung mit einer autoritären Stimme aus dem Off konstruiert der Film eine Erzählung vom Chaos der Republik und der Erlösung durch den Nationalsozialismus. Er verunglimpft Juden und Kommunisten mit besonderer Vehemenz, so verspottet der Film beispielsweise grob den Vornamen des jüdischen Vizepräsidenten von Berlin, Isidor Weiß, und bezeichnet KPD-Anhänger als „die Unterwelt“. Diese beiden Gruppen werden als Ursache und Wirkung der größeren Misserfolge der Republik dargestellt, zu denen nicht nur die steigende Arbeitslosigkeit, sondern auch eine angebliche Missachtung des Volkswillens gehörte. Der Film weist auf das angeblich bestehende Demokratiedefizit der Weimarer Republik hin, darunter die regelmäßige Anwendung von Notverordnungen und die häufige Inanspruchnahme des Republikschutzgesetzes von 1922, das es verschiedenen Regierungen beispielsweise ermöglichte, SA-Versammlungen zu verbieten. Die Filmaufnahmen vermitteln jedoch unbeabsichtigt auch den gegenteiligen Eindruck, indem sie die Energie und Dynamik der Wahlen während der Weimarer Republik mit ihren geschmückten Lastwagen, Aufmärschen, Plakaten, Fahnen, Flugblättern und Stimmzetteln zeigten, auf denen bis zu zwei Dutzend Parteien zur Auswahl standen. Die NSDAP produzierte zwei Versionen von Blutendes Deutschland, die erste, aus der dieser Ausschnitt stammt, erschien Ende 1932. Im Frühjahr 1933 produzierte sie dann eine zweite, längere Version, die Aufnahmen von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar enthielt. Die Partei und insbesondere ihr Propagandachef Joseph Goebbels sahen das Medium Film als eines der wirksamsten Instrumente zur Mobilisierung der Unterstützung an.

NSDAP-Propagandafilm Blutendes Deutschland (1932)

Quelle

Sprecher:  Die Unterwelt macht mobil.
Demokratischer Karneval.
Die Kampfansage gegen das Weimarer System wird auf dem Parteitag 1927 in Nürnberg erneuert.
Silberstreifen am Genfer Horizont. Börsenkrach am schwarzen Freitag.
Isidor, der Vizepolizeipräsident von Berlin. Unter seinem Schutze marschierten Moskau und das Reichsbanner gegen Deutschland auf.

Nachrichtensprecher:  Die preußische Staatsregierung hat mit dem heutigen Tage wieder für  das gesamte Staatsgebiet die SA verboten.

Sprecher:  Der Führer antwortet darauf in Nürnberg.
Das Ausland diktiert. Die Arbeitslosenziffer steigt mit den Schulden.
Die Abrüstungskonferenz produziert Papier.  In Deutschland treten die politischen Fronten zum Endkampf an.
In den Arbeiterquartieren und in den Hinterhöfen erschallt die Parole des Führers: Deutschland, erwache! Deutschland, erwache!

Hitler: Glaubt man wirklich, dass eine Nation überhaupt irgendwelche Leistungen vollbringen kann, wenn ihr politisches Leben so zerfetzt und zerrissen ist wie unser Deutsches? 34 Parteien! Die Herren haben ganz recht. Wir sind intolerant. Ich habe mir ein Ziel gestellt, nämlich die 30 Parteien aus Deutschland hinauszubringen.

Sprecher:  Wahlen um Brüning. Er kommt und geht und geht und kommt. Es bleiben die Notverordnungen und 5 Millionen Arbeitslose.

Hitler:  Wirtschaftlich haben die drei Parteien Zentrum, Sozialdemokratie und Kommunismus wirklich die deutsche Nation pfeilschnell nach unten gebracht.

Sprecher:  Rotmord bläst zum Angriff.
Im Glauben an die Bewegung, in Treue zum Führer, fiel Horst Wessel, der Dichter unseres Kampfliedes durch feige Mörderhand.

Hitler:  Ihr habt vielleicht geglaubt, uns mit diesem blutigen Terror mürbe zu machen. Ich versichere euch, ehe noch zwei oder drei Monate vergangen sind, wird euer Terror beseitigt sein. So wahr wir Nationalsozialisten sind!

Sprecher:  Zwei weitere Kabinette werden weggefegt.

Hitler:  Es ist mir leider nicht möglich, an der Stelle den Lügen und Verleumdungen entgegenzutreten, die die ganze Nation ohne weiteres erfassen könnte. Sie können uns unterdrücken. Sie können uns meinetwegen töten. Kapitulieren werden wir nicht!

Quelle: Blutendes Deutschland, Propagandafilm, Regie: Johannes Häussler, 1932. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk-ID 280

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