Quelle
In dem namen gots sach ich an zu schreiben diß nachvolgend besunder buech, wie ich Burkhart Zingg von meinen kintlichen lagen gelept und wes ich mich genietet han und wie es mir gangen ist.
Item mein liebe mueter starb an ainem kind da man zalt nach Christi unsers lieben herrn gepurt 1401 jar, gott herr erbarm dich über sie. amen. do was ich vier jar alt und hett drei geschwistergit, zwen brüeder Johannes und Conraden, und Margreten unser schwester. und ist ze wißen, daß unser vater ist genant Burkhart Zingg und was auf dasselb mal ain gewerbig man und arbait auf der Steirmark und hett er und guet und was beseßen zu Memingen nahent bei des Mangolts graben ze nechst an der Beckin, die was ain wittbe, und nam darnach ain andern man, hieß der Kipfenperg. dasselb unsers vaters haus hat seit kauft ain huefschmit, und sitzen noch heut bei tag vil schmit, die geseisen machen, an derselben gaßen. […]
Item darnach da man zalt 1404 jar da nam mein vater ain ander weib, der vater was genant Hans Schmid von Krumbach und was auch ain schmid, ain frummer man. die was ain junge stoltze frau, die was uns kinden nit günstig und hett uns hert und tet uns übel; aber sie was unserm vater lieb und geviel im wol, als noch oft und dick alten mannen junge weib wol gevallen, dem sei als im ist etc.
Item darnach als man zalt 1407 jar, do was ich ain jüngling bei ailf jaren, schied ich auß von Memingen, von vater und von allen meinen freunden und gieng mit ainem schueler, ich was auch ain schueler und was bei 4 jarn in die schuel gangen. und giengen also mit ainander in Krainland gen windischen landen in ainen markt, haist Reisnitz, das ist ain markt, leit in Krainland hinder Lobach 6 meil gegen Kroat. in dem land belib ich 7 jar und gieng da gen schuel, dann mein vater hett ainen leiplichen brueder, der was pfarrer in ainem dorf, genant an der Riegg, das ist ain groß schön dorf und gehören wol fünf ander dörfer darzu, die haißen Göttenitz, Pausenprunnen etc. da was derselb mein herr bei 30 jaren pfarrer gewesen und was mit graff Fridrichs weib von Ortenpurg in das land hinein kommen, die hett in zu priester gemacht, dann er was ir schreiber gewesen; sie was aine von Tegg. die hertzogen zu Mindlhaim, hertzog Ulrich, hertzog Fridrich und hertzog Lutz, der darnach über etwan vil jar priarch ward in Friul, [waren] derselben frawen von Ortenpurg brüeder etc. derselb mein herr, meins vatern brueder, der ließ mich gen schuel gan in die Reisnitz und dinget mich in die kost zu ainem biderben man, genant Hans Schwab, der was graff Fridrichs paumaister zu Ortenpurg und pawet auf dasselb mal das nider haus zu Ortenpurg hie niden an dem perg.
Item als ich nun bei meinem herrn in der Reisnitz gewesen was 7 jar, sicher der hett mich geren zu eren pracht und tet mir güetlich und wol und wolt mich gen Wien schicken auf die hohen schuel; da wolt ich nit und zoch von im wider seinen willen und wolt nit beleiben, also gab er mir nichts nit. da was ich nun ain schueler bei 18 jaren und kam gen Memingen und vermaint nun, ich solt da bleiben bei meinem vater und ain junkher sein. da hett sich die sach gar fast und fremdiclich verkert, dann mein vater und stiefmueter waren von ainander, mein brüeder waren tot und meiner schwester hett man ain man geben. und was ich solt han von müeterlich erbguets wegen, das hett mein vater und ander meine freund alles meiner schwester geben, dann wir kind hetten unser aigen guet und waren tailt von unserm vater mit unserm müeterlichen erbguet, als unser vater sein weib nam. als ich nun bei meinem herrn in windischen landen was, mainten mein freund, ich käm nit mer von meinem herrn, er wurd mich versorgen; und daß sie mein schwester dester paß möchten setzen, gaben sie ir dester mer etc. und da ich nun kommen was da hett ich gern vil gehapt als dann noch ander jung gesellen, und do mocht mir nichts werden und was mein niemant fro; sicher da hett es mich ser gerawen, daß ich nit bei meinem herrn beliben was, und hueb mich auf und lief von stunden wider in das land hinein. und do ich hinein kam da kam ich gleich als der schaur an die helm: mein herr was tod und hett als sein guet verschaft seinen kinden und andern leuten, er hett wol vier kind. also was ich umbsunst hinein geloffen und [hett] müede bain gemacht, und ward mir ain haller wert guets nit; mir geschach recht, wer ich bei im beliben, es wer mir alles worden.
Item als ich nun müed bain umbsunst gemacht hett, da hueb ich mich wider auf die füeß und kam wider gen Memingen, da was der wirt vor dahaim: niemant was mein fro, all mein freund achtend mein nit. also kam ich zu ainem biderman, was auß ainem dorf in die stat zogen, dem füert ich zwen knaben gen schuel und bei dem beleib ich ain jar und lert im die knaben. sicher da ward ich ainem töchterlin hold und ward ie lenger ie ungerner gen schuel gan und hindennach wolt ich nimer gen schuel gan und wolt ain hantwerk lernen, dann mein schwester, die hett ain weber, was ain frummer und reicher weber. da gieng ich auß und ein, da bedaucht ich mich, wie sein knecht gar guet leben hett, und ward mir dasselb hantwerk als wol gefallen, daß ich es ie lernen wolt, und ließ gantz von der schuel. mein schwager hett mich auch gern gelert, aber die andern mein freund, die wolten michs nit lernen laßen: da wolt ich ain [ander] hantwerck lernen. also rieten mir meine freund, so ich ie anders nit wölt, daß ich das kürsnerwerk lernet, das wer gar ain guet und erber hantwerk, darzu wolten sie mir ratten. also ließ ich mich überreden und zu ainem kürsner dingen zu Memingen, hieß maister Jos, ward seit ain wachter auf dem Kemptertor. und als ich nun bei dem maister was bei 14 tagen, da hett ich sein genueg, es tet mir im ruggen wee und was im niendart recht. also gieng ich zu meiner schwester und sagt ir, ich wolt ie nit mer bei dem kürsner bleiben, ich wolt aber wider in die schuel gan. das sach mein schwestern gern und auch ir man. dann mein schwager hett gern ain pfaffen auß mir gemacht etc.
Item also hueb ich mich auf und nam mein schuelbuech und bat mein schwester und iren man umb ain zerung: sie gaben mir 6 ß. hl. und nit mer, und mit dem gieng ich denselben tag gen Walse, da lag ich die nacht in dem spital, dann ich hett nit vil zerung. und ist zu wißen, als ich von dem kürsner kommen was, da muesten im mein freund geben 7 [ß.] hl., die hett man im gehaißen von mir ze lernen. und als ich zu Walse in dem spital die nacht gelegen, da stuend ich des morgens früe auf und lief überhin gen Bibrach, da kam ich von stundan zu ainem frummen man, (was gar reich und was ain schuester gewesen, aber er trib das hantwerk nit,) der wolt mich durch gottes willen behalten han ain jar oder lenger und daß ich in die schuel wer gangen, doch so solt ich das prot selber gehapt han. also gieng ich da in die schuel pei 14 tagen und schemet mich zu petlen; und wenn ich von schuel gieng so kaufet ich ain laib prot umb 1 dn. und schnaid stucklen darauß; und wenn ich haim kam so fragt mich mein herr, ob ich in der stat wer gewesen nach prot, so sprach ich: ja, da sprach er dann zu mir: man geit gar gern hie den armen schuelern; biß ich nimer dn. hett. ich mocht aber ie nit petlen; und sagt mir ain schueler, wie daß gar ain guete schuel zu Ehingen wär, und wolt ich mit im ziehen, daß ichs tet. also gieng ich mit im gen Ehingen, da waren groß bachanten, die luffen all in die stat nach prot. da ich das sach, daß die alten und die großen schueler nach prot sungen und giengen, da lief ich mit in und kam an: ich wolt mir selb viert gnueg gepettelt han und schemet mich fürbaß nit mer und gwan mir gnueg, daß ich wol zu eßen hett.
Item als ich nun zu Ehingen was und gieng in die schuel bei ainem halben jar, da kam ain großer student zu mir und sprach, ob ich mit im wolt ziehen gen Ballingen, da wär gar ain guete schuel, da wolt er mir helfen zu ainem gueten dienst, da man mir belonung geb, und wolt mir helfen und raten. und pracht mich also mit im auf mit seinen gueten worten, daß ich mit im zoch gen Ballingen, das ist ain klain stat, ligt 1 meil von Hochenzoll. und als wir nun gen Ballingen kamen, da pliben wir da wol ain jar: da gieng ich gen schuel und mein gesell verließ mich und tet mir weder hilf noch rat. also kam ich zu ainem armen man, was ain schmid, genant Spilbentz, bei dem was ich ain zeit und füert im ain knaben gen schuel. darnach kam ich zu ainem gastgeben, der gab mir gantze kost, daß ich nit petlens bedorft. darnach zoch ich von dannen und kam gen Ulm, da plib ich ain gantz jar und was bei ainem pfeifer, was der stat pfeifer, genant Hänslin von Bibrach, sicher der tett mir güetlich; ich füert im ain knaben gen schuel, ist seider auch ain pfeifer worden; ich petlet das prot.
Item darnach als man zalt 1415 jar da kam ich von Ulm wider gen Memingen.[1] da hett mein schwager gern gesehen, daß ich mich geweicht hett, und überredt mich, daß ich gen Augspurg solt und wolt mich weihen laßen acolythus; doch beleib ich darnach ain klain zeit zu Memingen. und kam her gen Augspurg in dise stat und kam von stundan zu ainem kramer, genant Ulrich Schön, was auf dasselb mal ain reicher gewerbiger kramer, wiewol er seider über etwa vil jar verdorben ist und zu armuet kommen was; bei dem was ich ain jar und ließ gantz und gar von der schuel, und ainmal an ainer fasnacht rait ich über ain knaben gleich bei sant Jörgen und besorgt des knaben freund, und muest von hinnen weichen und kam gen Nürnberg. mit dem kramer zoch ich überall auf die merkt gen Bairn und anderswo.
Item also kam ich gen Nürnberg, da was ich drei jar bei ainem reichen man, was genant Cuntz Beham, der was ain alt erber frum man und was geseßen an dem markt an ainem egg nachent bei unser lieben frawen capell am Saltzperg[2] und hett eisen fail und hett ains frummen mans tochter, hieß der Schultheiß von Pernhaim, der was gesessen zunächst hinder den predigern gegen dem Heumarkt, und was ain reicher man und schankt wein.
Und darnach zoch ich gen Bamberg, da kam ich zu ainem, hieß Johannes Frank im pach, was ain procurator an dem geistlichen rechten und hett gastung darzu; bei dem was ich ain halb jar und zoch darnach gen Würtzpurg. und uff das mal, als ich da was, da galt ain maß wein, der guet was, 1 dn. oder 1 hl. […] und ist ze wißen, daß auf den tag, als ich gen Würtzpurg kam, da was der bischoff von Würtzpurg außzogen und kam auf den tag auch herwider gen Würtzpurg und was in ainem großen dorf gewesen aim edlman ze laid, war ainer von Seckendorf, und hetten das dorf geplündert und die pauren waren in die kirchen kommen und in den turn und sie verpranten die kirchen und den turen und 400 menschen darinn. das sagten mir zwen söldner, die waren auch darbei gewesen, hießen der ain Zwissel, der ander Leicht, waren bei mir in der herberg, als die tat geschehen was. der bischoff was ainer von Bairn.
Item darnach das was als man zalt 1419 jar kam ich wider gen Augspurg zu ainem reichen man, Jos Kramer, der was ain gewaltig man hie, er was ain paumaister, doch was er ainer von der gemain auß der weberzunft; doch treib er das hantwerk nit, dann er bedorft sein nit: er treib kaufmanschaft mit gefiell von der Steiermark, auch ander kaufmanschaft von Venedig, als wol etc. er hett wol 100 fardel barchatdem treib ich alles sein gewerb gen Venedig, gen Frankfurt und gen Nürnberg. er was warlich ain frummer man und tet mir wol; gott von himmel dank im und mueß seiner seel pflegen.
Wann ich mein erst weib genommen hab.
Item als ich bei meinem herrn was da nam ich mein weib, die was ainer armen frawen, ainer wittben tochter von Möringen, genant die Störklerin, was ain frume arme fraw und gab mir nicht mer dann ain klain pettlin und ain küelin und sunst klain arm dinglach, als pfannen etc. was alles nit zehen [Pfunde] dn. wert. so hett ich sicher auch nit vil: ich hett guet gewant und nit vil berait dn., doch was ich ain wenig bericht, daß ich wol dienen kund, und tet das willigclich und geren. und mein herr was mir hold, das was alles unser guet, das wir zesamen prachten. mein weib hieß Elisabeth und was auf dasselbmal meins herrn Josen Kramers magt, so was ich auch sein diener, als dann oben berüert ist, und namen ainander also in gueter freuntschaft; geschach als man zalt von Christi unsers lieben herrn gepurt 1420 jar, acht tag nach pfingsten. und als wir nun hochzeit mit ainander hetten gehapt, da west ich sicher nit, was ich tuen solt, dann ich hett nichts, so hett ich meins herrn huld gar nit und hett die huld verlorn, dann es was im laid, daß ich mein weib genommen hett und in darumb nit ratgefragt, und wolt mir weder ratten noch helfen. also west ich nit, was ich anfahen solt. doch was mir das weib lieb und was gern bei ir, und bedacht mich mit meiner hausfrawen, die was mir auch hold und trost mich und sprach: „mein Burkhart, gehab dich wol und verzag nit, laß uns ainander helfen, wir wöllen wol außkomen; ich will an dem rad spinnen und will all wuchen wol 4 [Pfunde] woll aufspinnen, das ist 32 dn." und da die fraw als tröstlich was, da erkecket ich auch und gedacht: nun kan ich doch ain wenig schreiben, ich will besehen, ob ich müg ainen pfaffen haben, der mir zu schreiben geb; wie wenig du dann verdienst so gewint dein weib 32 dn., so ist doch wolfail, villeicht geit got zu, daß wir wol außkoment. also was ain pfaff zu unser lieben frawen, genant dominus Cunradus Seybolt de Memingen, der was gesell auf der pfarr zu unser lieben frawen und was mir auch günstig, wann er was auch von Memingen und was schuelmaister da gewesen, und was ich auch zu derselben zeit zu Memingen sein schueler. zu dem gieng ich und sagt im, ich hett ain weib genommen und west nit, was ich tuen solt; ich wolt geren umb lon schreiben, so hett ich nichts zu schreiben. der guet herr was fro, daß ich geren schreiben wolt, dann er hett gern ainen gehapt, der im geschriben hett, und sprach: wiltu mir schreiben, ich will dir ain gantz jar zu schreiben geben und will dir wol lonen. und also pracht er mir ain großes buech in pergamen, was maister Rudolfs, der was desselben korherr und pfarrer zu unser lieben frawen und was ain doctor; das buech ist genant compendium sancti Thome. das buech ließ mich der herr mit mir haim tragen und gab mir ain guldin also par, daß ich papir kaufet und fast schrib. also kam ich haim zu meiner hausfrawen und sagt ir, was ich geworben hett; sie was fro. und also hueb ich an zu schreiben und schrib in derselben wuchen 4 sextern des großen papirs karta regal und pracht die vier sextern dem herren. das geviel im so wol, daß ich so bald angefangen hett, und geviel im auch die geschrift wol und verhieß mir 4 gross von ainem sextern; also schrib ich im bei 50 sextern und gewan gelts genueg. und mein weib und ich saßen zusamen und ich schrib und sie span und gewunnen oft und dick 3 [Pfunde] dn. in ainer wuchen; doch seien wir oft bei ainander geseßen die gantzen nacht. und gieng uns gar wol und gewunnen was wir bedorften. und ist ze wißen, als wir zu haus kamen da was ain großer sterbent, der vieng an an dem hörbst, als man zalt 1420 jar, und starb gar fast und was alle ding gar wolfail. […] in der stat und auf dem land: es was iederman reich, wer nun leben solt, aber es starb unmaßen fast hie in der stat und überall uff dem land. […]
Item darnach auf sant Ulrichs tag im 21. jar gelag mein hausfraw ains kinds, ward gehaißen Andlin. und als das kind ain jar alt ward da hetten die von Rotweil ain krieg angefangen mit graff Fridrichen von Zoler, den man nent Öttinger, der tet den von Rotweil gar vil ze laid und kriegt sie wider gott, er und recht. des maneten aber [die von Rotweil] gemain reichsstett umb hilf, die in auch zu gesagt ward. und also ließen die von Augspurg söldner bestellen und schrib man und bestalt man an dem ersten 24 gesellen, under den ich auch ainer was, und gab man ieglichem 4 gross ain tag. also zoch ich dahin gen Zoller mit den andern, und belaib dabei 10 monat und gieng mir wol und erüberiget bei 30 guldin. ich ward gemacht außgeber und schreiber über alles fueßvolk. […] ich was auch da, als Zoller gewunnen ward, und kam mit den letsten herhaim; doch ward ich herhaim geschickt mit ainer potschaft und beleib bei 6 wuchen hie, ce daß ich hinwider kam. man lag lenger dann jar und tag darvor, und ward gewunnen auf corporis Christi etc. man gab es auf auf gnad; die gesellen waren 32 darauf, die füert man gen Ulm, das schloß ward in den grund geschlaift anno 23.
Item als Zollern nun gewunnen was und wir herhaim kamen, da schickten mein herrn die ratgeben Jörgen Plossen und mich mit im gen Ungern zu künig Sigmunden, unserm allergnedigisten herrn, und zu hertzog Ludwigen von Bairn, der was auf dasmal auch bei dem römischen künig, von ains edelmans wegen, genant Oswalt Öttlinger, der was unser feind und kriegt die stat wider gott, er und recht etc. wir waren ain halb jar auß und schueffen nit vil; es was auch von der juden wegen. […]
Item mein herr Jos Kramer schickt mich gen Venedig im 24. jar […] und also traib ich meinem herrn aber sein gewerb, wa er dann zu werben hett, biß in das 27. jar, da schickten mich meine herren gen Rom.
Item ich rait hie auß gen Rom von diser stat Augspurg wegen und füert vil beraiter ducaten mit mir, die solt ich antwurten ainem doctor zu Rom, genant maister Peter Frid, der was meiner herrn von Augspurg procurator. […]
Item als ich nun herwiderumb haim kam, da was ich meins herrn diener als vor und trib im kaufmanschatz und mir selb in gemain, und gieng mir wol von den genaden gottes.
Item darnach im 31. jar bedaucht mich, ich wär reich und verdruß mich so fast umb die weg ze reiten und gedaucht, ob ich möcht ain anstall haben hie haim in der stat, daß ich nit so ser bedörft arbaiten. nun füegt es sich von geschicht, daß ainer, genant Hanns Drittmer, der was an der wag und kam darvon, daß Peter Egen, den man seit nent Peter von Argun, des auch die wag was, kain wegmaister hett; der schickt zu mir und ließ mit mir reden, ob ich sein wegmaister wolt sein, er wolt mir güetlich tuen. also mit kurtz versprach ich mich zu im und ward sein diener, er gab mir 53 fl. ain jar. und ist zu wißen, daß er mir gen Venedig erlaubet zu reiten, wann ich wolt, also rait ich alle jar auf das minst ainest oder zwirend gen Venedig und trib mein gewerb also an der wag gleich als vor, und mein herr Peter Egen tet mir sicherlich gar güetlich: er lich mir gelt, wann ich wolt, vil oder lützel, gott vom himmel dank im etc. ich belib an der wag 7 jar, biß man zalt von Christi unsers herrn gepurt 1438, da kam ich wider von der wag, dann sicher ich mocht nit also müeßig sein, ich wolt aber lieber arbaiten und reiten, als ich vormals auch getan hab.
Item im 40. jar umb sant Michelstag kauft ich mein haus an der weiten Kirchgaßen umb 200 fl. und pauet darinn den hindern gemach, stublin, kammer und kuchin. […]. ich kauft es von maister Hainrichen Liephart, der was ain zimmerman und der stat werkmaister.
Item als man zalt nach Christi unsers lieben herrn gepurt 1441 jar auf des heiligen creutz tag, als es gefunden ward, versprach ich mich zu Hansen Meuting in die gesellschaft drew jar, und gab mir 60 fl. zu lon ain jar und legt mir 200 fl. empfor in der gesellschaft und ich leget auch 500 fl. also bar in die gesellschaft und belaib also bei im die 3 jar. und ist zu wißen, daß wir in den drew jaren gewunnen 23 fl. per cento, mich benüegt wol, gott sei gedankt, ich han ain jar wol 200 fl. gehapt mit allen dingen, die ich villeicht halb verzert. und nachdem die dreu jar verschinen, kam ich auß der gesellschaft etc.
Item als ich auß der gesellschaft kommen was, da kauft ich mein haus, gelegen an der Judengaßen. […]
Item mein liebe mueter die starb an ainem kind in dem jar als man zalt nach Christi unsers lieben herrn gepurt 1401 jar, als vor geschriben stat.
Item darnach in dem sibenden jar sturben meine zwen brüeder Hans und Cunrad zu Haimertingen in dem dorf und ligen da begraben. darnach als man zalt 1415 jar starb mein herr der pfarrer an der Riegg in Krainlant. […]
Item darnach in dem 19. jar starb mein schwester zu Memingen an der pestilentz.
Item da man zalt nach Christi unsers lieben herrn gepurt 1420 jar da nam ich mein erste fraw Elisabet, der Störklerin tochter von Meringen, und prachten nit vil guets zusamen, als dann vornen geschriben stat; doch prachten wir er und frumkait zusamen und glück und hail.
Darnach in dem jar 21 gelag mein hausfraw ainer tochter, ward Ändlin genant, an sant Ulrichs tag; das was sicher als ain hüpsch kind, daß im iederman zarten muest, und lebet 9 jar und starb.
Darnach in dem 23. jar gelag mein hausfraw ains suns, ward Johannes genant, der lept noch auf anno etc. 66; ward geporen in der osterwuchen.
Darnach in dem 25. jar gelag mein hausfraw aber ainer tochter, ward Dorothea genant, am sant Thomas tag vor weihennachten im 26. jar.
Darnach an sant Paulus tag, als er bekert ward, im 29. jar gelag mein hausfraw ains suns, wart Cunrad genant.
Darnach an sant Steffans tag zu weihennächten im 30. jar starb mein erste tochter Anna an der pestilentz und leit zu unser lieben frawen begraben.
Darnach in dem 31. jar starb mein tochter Dorothea auch an der pestilentz und leit auch zu unser frawen begraben.
Darnach in demselben jar gelag mein hausfraw ainer tochter, ward Dorothea genant, an sant Elisabet abent.
Darnach an dem hailigen tag zu weihennächten wurden gefirmet meine zwen sün, Hans und Burkhart, im 32. jar.
Darnach in demselben jar an dem 4. tag des monats septembris gelag mein hausfraw aber ainer tochter, genant Anna die ander.
Darnach in demselben jar an dem 9. tag des monats november starb dieselb Anna die ander und leit zu sant Mauritien begraben under meinem stain.
Darnach an dem 23. tag des monats mai im 34. jar gelag mein hausfraw ains suns, ward genant Wilhalm.
Darnach an dem 22. tag des monats juli im 36. jar gelag mein hausfraw aber ains suns, ward genant Jacob. […]
Item in dem jar als man zalt 38 jar da was ain großer sterbent hie in der stat Augspurg und sturben bei 6000 mentschen, und ich Burkhart Zingk lag auch in großer krankhait […] und mein liebe hausfraw Elisabet was große ains kinds, die lag als krank als ich; man gab uns baiden unsern herrn und die hailigkait und mochten baide übel, doch gab gott zu, daß wir baide wider gesunt wurden, gott sei gelopt.
Darnach als wir von gottes genaden gesunt wurden in demselben jar an dem montag nach aller hailigen tag da gelag mein hausfraw ainer tochter, genant Barbara.
Darnach am freitag nach sant Niclaus tag in demselben jar starb mein sun Cunrat auch an der pestilentz und leit auch under meinem stain zu sant Mauritien, da mein sun Jacob leit.
Item es ist zu wißen, daß in der zeit, als hievor geschriben stat, in der mein hausfraw also gekindet hett, daß ich dieweil fast arbaitet und rait gen Venedig und trib kaufmanschaft und füert pallen von Venedig herauß und richtet meinem herrn also sein gewerb auß und tett gesellschaft mit im und gieng mir wol. ich hett auf dasmal mer dann 1000 fl., gott von himl sei gedankt.
Item darnach als man zalt nach Christi gepurt 1440 jar am dornstag nach sant Gallen tag da starb mein lieb hausfraw Elisabet, der gott genedig sei durch sein gruntlosen barmhertzigkait, und leit zu sant Ulrich begraben under meinem stain. desselben mals was ich in meinem haus geseßen, das gelegen ist an der weiten Kirchgaßen, das ich von maister Hainrichen kauft hett. also han ich mein liebe hausfraw gehapt 20 jar in rechter freuntschaft, und haben tugentlich und freuntlich mit ainander gelept und er und guet gewunnen; der allmechtig gott müeß ir selen pflegen immer und ewiglich amen.
Item darnach an dem nechsten suntag nach dem hailigen pfingstag hett ich hochzeit mit Dorothea Kuelinbeckin, witwen, die Heinrich Adeltzhauser von Wickerhofen eliche tochter was; der allmechtig gott geb uns glück und hail. und ist ze wißen, daß die jetzgenant Dorothea, mein eliche hausfraw, auf dasmal zu Möringen was bei irm brueder, der was pfleger zu Möringen; ir man der was ir tod zu Landshuet, der was ain edlman und was hertzog Hainrichs diener, was ain frummer edlman und hieß Bernhart Kuelnbeck. da er gestarb, da fielen die gelter über die gueten frawen und namen, was da was, also belib der frawen und irn kinden nichts über, dann ir man was vil schuldig. und muest die lieb fraw von not wegen zu irm brueder gen Möringen, dann sie nichts hett; so hett sie auch kain zugehör, daß sie möcht beleiben dann bei dem brueder. der hett ain weib, die was aine von Westernach, ain scharpfe zornige fraw, die hett die lieben frawen ungeren und grüeßet sie zu aller zeit übel und verschmecht sie und ire kind, ain sun und ain tochter. nun ward mir gar vil von ir gesagt, wie daß sie wär ain schöne gerade fraw, so frum und so tugenthaft, daß man irs gleichen kam finden mocht. also ward ich bewegt in barmhertzigkait von ir schön und frumkait und tugend wegen und schickt nach ir gen Möringen. also kam sie zu fueß als ain arme fraw, und als ich sie sach da geviel sie mir wol und redet mit ir, ob sie mich wolt nemen. des ward sie von hertzen fro und sprach, sie wolt mich gern haben und wolt alles das tuen, das ich wolt, und wolt mir undertenig und gehorsam sein und nichts von mir begeren, dann was mein freier und gueter will wär, und wolt mich und alle meine kind in eren haben und ir sie laßen empfolhen sein als ir aigne kind etc. und als ich das hört, daß die fraw so guetwillig was, do geviel sie mir noch baß dann vor und nam sie, doch waren darbei erber leut genueg. […]
Anmerkungen
Quelle: Burkard Zink, Chronik des Burkard Zink 1368–1468, Buch III, in Die Chroniken der deutschen Städte, Bd. 5, Hrsg. Carl Hegel. Leipzig 1866, 2. Auflage. Göttingen 1965; abgedruckt in Horst Wenzel, Hrsg., Die Autobiographie des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Band 2, Die Selbstdeutung des Stadtbürgertums. München: Wilhelm Fink Verlag: 1980, S. 5–67.