Kurzbeschreibung

Wohlhabende Deutsche gaben zum Andenken an ihre Eheschließung häufig Diptycha (zweigeteilte Portraits) in Auftrag. Die Partnerschaft von Mann und Frau stand im Zentrum der Hausgemeinschaft des 16. Jahrhundert, welche wiederum die elementare soziale Zelle der Zeit bildete. Der Hausstand stellte die wesentliche zivilisatorische Instanz dar, den Ort, wo Kindern gleichermaßen Gehorsam wie Tischmanieren beigebracht wurden. Naturgemäß ist das häusliche Leben wenig dokumentiert, doch gelegentlich gewähren die Quellen einen äußerst seltenen Einblick darin, wie ein Ehepaar seinen Haushalt organisierte, verwaltete und dessen Auskommen sicherte. Die Korrespondenz zwischen Magdalena und Balthasar Paumgartner, eines wohlhabenden Nürnberger Paares, erlaubt einen solchen Einblick ins Familienleben. Die Paumgartners teilten sich die Verantwortung für ihren Haushalt, die Erziehung ihrer Kinder sowie ihre Geschäfte. Die Korrespondenz beginnt kurz nach ihrer Verlobung und wurde über den Tod ihres Sohnes im Kindesalter hinaus fortgeführt. Sie berichtet von Freuden und Sorgen, von intimer Zuneigung und pragmatischer Berechnung, sowie von Gläubigkeit und Alltagsweisheit.

Ehe als Partnerschaft—Magdalena und Balthasar Paumgartner aus Nürnberg (Briefwechsel, 1582, 1591 und 1592)

  • Balthasar und Magdalena Paumgartner

Quelle

1. Balthasar Paumgartner an Magdalena Behaim.

1582, 15. December

Laus Deo. 1582 adi 15. December hieigem calender nach inn Luccha.

Erbare, tugendreyche, gethreüe, freunndtliche, hertzliebe, verthrauhtte braud.

Dein schreibenn vom 11. November hab ich auff 12 ditz nachtts mit grossem verlangen wol empfangen. Demnach ich aber wol gewüest unnd ausgerechnett gehabtt, bey solcher post widerumb anttwortt von dir auf mein ahn dich gethon schreiben kommen werd müessen, hab ich solcher brieff den vergangnen sontag mitt begyrden gewartt, derowegen den gantzen tag nichtt auß dem hauß kommen. Wie rechtt würd mir aber gescheen sein, wann nichtt allsbald widerumb geschrieben hettest! Auß solchen deinem sonnst eurer aller gesunndheytt von hertzen gern vernohmmen: wiß mich sambtt den meinigen allhie, Gott lob, auch noch wol auff sein; der selwige wölle unns inn seinen gnaden also langwyrig erhalttenn, unnd bald widerumb glückhselig inn unnser freüdengärttlin widerumb zusam helffen. Amen.

So vernimb ich fast gern, du mein altte mum Scheürlin schon ettlich mal heymgesuchtt hettest unnd sie so freunndlichen gegenn dir, daran ich nye gezweyflett. Bitte dich freunndlich, wöllest mitt gelegenheitt also forttfahrenn unnd ihrs rahtts inn ettlichen sachen pflegenn, der ich wol wayß, ihr wol damitt ist unnd sonnderlich wol gefeltt, wann man ein guett verthrauen inn sie setztt und auch ihrem rahtt volgtt. Wollt unns solche mum auch gern wo müeglichen wol gewogen unnd zu freundin erhaltten. Dann ob wir ihr schon wennig zu geniessenn, wird sie unns doch auch nymmer kein schad nichtt sein. Wirst dich also zu verhaltten unnd ihr den fuchsschwantz wol zu streichen wissenn, daran gar nichtt zweyfle.

Das ich dir, hertzliebe verthrauhtte, so langsamb unnd eher unnttrwegen nichtt geschriebenn hab, dessen ursach unnd mein enttschuldigong darnebenn wol vernohmmen wirst habenn. Soviel ich aber aus deinem yetzigenn vermercke, nimbstu solche von mir nicht also ahn. Nun ist dem einmal nichtt annderst, dann da ich dir schon hin unnd wider untterwegenn auß wol hett schreiben können, hette ich dir doch wennig freüd, aber viel mehr bekhümmernus mitt gemachtt, alleweil ich diese rayß nun auf guett glückh gewagtt, unnd biß nichtt inn unnser hauß herkommen, schier selber nichtt glauben können, man mich des strengen ergangnen verbotts der sterbsleufft halber bey euch herein werde lassenn, dich demnach mitt solchen viel umbstenden weytter nichtt betrübenn mügenn.

Bystu aber offt gefragtt, unnd sich verwundertt worden, du kheine brieff von mir nichtt hast gehabtt, so hatt es mir allhie gewießlichen nicht gemanglett; des fragens all sonntag, da die brieff allher zu kommen pflegenn, kein end nichtt ist gewest, mich gleichermassen verwundertt unnd doch darneben gedachtt hab, werdest mir eher nichtt schreiben, biß nicht zuvor brieff von mir habest. Wöllen demnach den zorn zwischen unns zugleich aufgehen lassenn!

Anttwort ditz will ich, hertzallerliebste, noch allhier von dir gewerttig sein; nach solchem aber darffst mir weitter nichtt allher schreiben. Dann ich unngefehrlich auf den letztten Jenner an andern ortt unnd stäed als gen Modona unnd Reggio inn unnsers hanndels geschäfften zu verraysen werd habenn, innmassen das mich deine brieff vielleichtt nichtt mehr allhie ahntreffen möchtten. Doch khan ichs bißhero gewieß noch nichtt wissenn, dann es ihm nun zuviel gleich sihett, ich so bald, wie gern woltt, von hinnen nichtt abgeferttigtt werd werdenn, von vielen über mein willen nun allzuviel unnd lang verhindertt werde. Wann ich doch nuhn eins, daran unnserm handel am mainsten unnd ja nichtt wennig gelegenn, rechtt unnd meins gefallens verrichttett, wie bald woltt ich das annder meinem brueder unnd den dienern hie befellhenn, mich dann gewießlichen nichtt lang mehr allhie saumen! Bin aber zu Gott dem allmechttigen tröstlicher hoffnung, mir nichtt mangln soll, das ich dann den khünnfftigen monatt Jenner bald gewahr will werdenn.

Inndessen wird mir zu thon allhie nichtt manglen, wie ich dann diese feurtag genn Florentz, so 8 teütsch meil von hinnen, verrayse, aber inn ein tag 3 oder 4 widerumb allher khomme. Unnttrdessen mach dein rechnong, es seye oder gehe mir sonnst gesundheitt halber Gott lob woll, mich meiner langweyligen rayß, von deren ich dann dürr unnd mager gnug allher kommen, zimlich widerumb erholett hab. Sihe unnd trachtte du yetz nuhn, dir mitt deinen vielfälttigen vergebnen sorgen, mitt denen du im end doch nichtts anders erhaltten khannst, nichtts ärgers zurichttest, unnd mach dein gewiese rechnong, ich mich nach verrichttong meiner sachen kein stunnd allhie nichtt saumen, sonndern (ob Gott will) noch eher, alls du unnd ich selber vermaynen, bey dir daussenn sein wölle, wölle der lieb Gott bald unnd mitt freuden gebenn.

Die langweyligen betrübtten sterbsleufft bey euch vernimb ich zwar ungern: demnach mir aber von andern geschrieben wird, es zimlich nachgelassen hab, unnd die kältt auch vor der thür gewest, verhoffe ich zu Gott dem allmechttigen, es weytter nicht nohtt gehabtt soltt habenn. Allhie ist es bey 5 wochen her fast schöen hell wetter gewesen, dergleichen nichtt viel leütt gedencken, wann es sonnst dieser zeytt des jars mehrenthayls unnd nuhn stettigs zu regnen pflegtt, derowegen sich meniglichen ahn dem schöenen wetter verwundertt.

Des guetten unnd frommen Sebastian Im Hoffs töedlichen abgang zu Lion allhie vor diesem unnd auch vom vetter Endreß Im Hoff auß Venedig vernohmmen, Willhelm Kreß, so bey ihm zu Lion gewest, nichtt wennig mittleiden mit ihm gehabtt hatt. Der allmechttige seye ihm wie unns allen gnedig unnd barmhertzig unnd verleyhe nach diesem das ewige lebenn! Amen.

Das der altt Mattheus Fetzer ein preüttigam ist, vor diesem vernohmmen; sein braud aber sowol als des D. Wolffen Rosina sind mir unbekand.

Der Wilhelm Kreß, den ich allhie inn ein guette kost unttrgebracht hab unnd mein brueder Jörg lassen dich beede widerumb fleyssig grüessen, und dastu ihrer auch gedenckest, gantz freunndlichen dannckenn.

Wann du zu der fraw Lochnerin kompst, wöllest ihr anzaigen, mitt dem rottcremasin futtrattlas unnd zwyfärbigen dd. daffatt sie aufs best versehen wölle; den futtrattlas vor diesem schon besteltt gehabtt.

Sonnst hab ich ausserhalb meiner geschäfft warlichen ein langweylige zeitt unnd kein kurtzweyl gar nichtt allhie, ausserhalb das ein 14 tag hero comediantten hier gewest unnd all abendts biß umb 4 uhr inn die nachtt comedyen gehaltten haben. Ein weybsbyld gehabtt, die reden unnd reihtten (wie man pflegtt zu sagen) könd hatt; woltt Gott dichs auch zu sehen wünschen hett können, dich gewießlichen darob verwundertt wirst haben. Die zeitt ein weil mitt den comedyen zusehen zugebrachtt, mitt solchen aber auch schon ein end hatt. Nach den weyhenachtt feyrtagen aber sollen anndere herkommen, sind aber gegen eurn spyeln in s. Martha unnd prediger closter nichtt zu vergleichenn. Wie aber die weyber, sonderlich diese, so yetz hie gewest, bered seind unnd sich darein zu schicken wissen, khan ich dir gnugsam nichtt erschreiben. Kannst es auch, biß selber nichtt sehest, nichtt glauben; sonnder zweivel inn viel hystorybuchern gestudirtt habenn unnd also nun wol gelehrtt sein müessenn.

Du meldest unnttr anderm inn deinem brieff, ich soll dich mitt schreibenn nichtt mehr so lang [warten] lassenn: wer wyß, ob ich dich bey den böesen bey euch regirenden leüfften mehr finnde! Mitt solchem hastu mir nichtt wennig ahnfechttonng unnd allerlay seltzame gedanncken gemachtt. Dann ob der lieb Gott dich unnd mich ebenn so bald alls kein annders nichtt finnden khan, so bin ich yedoch getröester hoffnunng, er werde unnser ditzmal noch verschonen unnd zuvor mitt freuden inn unnser stüblein oder plomen gärttlin widerumb zusammen helffen, sonnst seind wir all in seinen henden unnd, wann mein gentzliche hoffnung nichtt zu ihm setzett, müest ich mich stettigs besorgen, mir auf dem weg ein unglückh widerfahrenn könnd. Aber ich hoffe des bessern; also solstu ihm auch thon, im ende ihne walttenn lassenn.

Ich wayß dir, hertzliebe, verthrauhtte, für ditzmal sonnst ein mehrers nichtt zu schreibenn, thue mich allein der übrsandtten plümlein aus unserm gartten gantz freundlichen bedancken unnd die deinettwegen fleyssig auffhebenn, gantz freunndlich bitten, dein bruedern Pauluß, schwestern und Hoff Kätterlin, auch die Held Magdel fleyßig meinettwegen zu grüessen, ihnen allen viel guetts zu sagen. Unnd sey du auch, hertzliebste Magdale, zu viel hundertttausennd mal freündlich unnd fleyssig von mir gegrüest, dem lieben Gott zu gnadenn inn treühenn befollhenn.

D. gethreüer l. preüttigam

Balthasar Paumgartner der jönger.

2. Magdalena Paumgartner an ihren gatten.

1591, 9. December.

Erberer, freundlicher, herzlieber Paumgarttner.

Ich kon nit underlasen, dir ale acht tag zu schreiben, wiewol du mir kein ursach gibst. Dan nun in der driten wogen keins von dir gehabt, vileicht bis samstag aug keins, welgs mich kleinmutig genug machen wiert. Und mus eben dem alten sprigwort nachdencken: „aus den augen, aus dem sin!“, wiewol dein pruter sagt, du ser vil in den handelspriefen schreibst heraus, desen ich, denck ich, engelten mus. Hat mir aber doch vil nachdenckens gemacht, als ob du vileicht nit wolauf seist und er mir, der Yerg, solgs zu verstien gebst, du schreibst so vil in die schreibstuben. Hab in iedoch wol ermond, das ich im lezlich hab glauben musen, es gescheh aus keiner andern ursach, den das du so vil zu thun habst. Sagt aug, wie er in deinem schreib[en] wol mercke, du dich noch vor der mes herausbegeben werst, desen ich mich von herzen frey und mit verlangen deines schreibens wart bis samstag, da ich solgs aug von dir vernim mit freuden. Mit uns stedt es, Got sey lob und donck, noch im alten wesen und guter gesundheit, der erhalte uns noch ferner zu beden theiln! Amen.

Und geschicht dis schreiben, herzlieber Paumgartner, wegen des puben, der nor imer mond an mir, wan dir schreib, sol dir schreiben, das du ime ein kleid mitpringst. So schick dir gleich hiemit ein mas, wie long das wames und wie weit, aug wie long die erbel und das geses mus sein, dan ichs reilich nach dem alten pubensameten gemesen hab, welgs im am gerechten ist, und hab im zugeben aug. Welst also nor etwas schbarz nemen dazu, dan er vor 2 gefarbter hat. Doch sted es zu dir, was dir gefeld.

Und der alte Peir ligt noch imer hin, wie vor acht tagen, das mon imerzu meind, er kin es nit 3 aber 4 tag antreiben. Man schneid im iez ale tag faul fleichs aus dem schaden, und thut im dennoch nit weh, fragt nach nimund mer. So redt er nit mer, den so in dierst oder etwas esen wil, macht in aln ein ser langweilge zeit. Got der herr ende es balt mit im!

Die Dobias Kastnerin hat dich aug fleisig grusen lasen, ist alhie bei irer muter in der Lienhart Grundherin haus obenauf im driden gaden und ist mit irer muter hereingefarn auf 3 tag und hat sy das pluten angehebt zum mund aus und ist so schbag, das ich nit weis, ob sy es lang andreiben wiert. Besug sy oft, dan sy zuvor bey uns hat einkern soln, ist sy nun 3 wogen hie kronck. Hab sorg, wan schon heimkum, nit lang andreiben wer. Got helf uberal!

Herzeter schaz, bit, wolst aug meins welschen rocks nit vergesen, wie der Wilhelm Im Hoff seinem beib ein mit von Venedig mit hat pracht, so mon vir pelz dregt. Und welst mir nitt vir ubel haben, das ich dir in meinem schreiben imer etwas abbedele. Wil dich sunderlich biten, wan du etwa ein drum oder 2 röten und safelorfarben atlas wolfel bekumst, welst etwas mit herauspringen. Verhoff, der zeig zum pristla sol underwegen sein, weil schbager Yerg sagt, es kum in einer kisten ein packal an mich, welgs ich gar wol bedarff.

Mus heut abermal zu gast esen bey der alten Kleweinin, so die yungfrau ir schnur heimledt und behelt sy ferner bey yr. So haben wir heutt uber acht tag des pruder Paulus sein hondschlag, wolte Got, wo miglich du aug dabey solt sein. Nun, der almechtige Gott pring uns nach langweiliger zeit widerum zusam mit freuten, da wir uns als ergezen weln mit Gotes hilf!

Weis dir sunst, freindlicher, herzeter schaz, vir dis mal ein merers nit zu schreiben, den das du von mir zu vil maln freundlich und fleisig gegrust wolst sein in dein treies herz und Got dem hern in genaden befoln. Es lasen dich vil, vil grusen, die ich nit ale erschreiben kinde, die Gröserin, Scheirly, her Paumgartner — haben gester bey im zum hondschlag angeschriben, ist er selbst bey uns gewesen und dich grisen lasen —, Lognerin, Remerin, Wilhelm Im Hoff, Plaben, er und sy: es wir zu lang. So vil ir die wogen an des Pfinzings hachzeit mit mir gedanzt haben, haben dein im besten gedacht und gefragt, wan schreiben von dir gehabt. So hab ich aber gedeuchst und gesagt, vor acht tagen, wan schön 3 wogen! Nun auf dis mal nit mer!

Dadum den 9 Dezemer 1591 yars.

Madelena Balthaser Paumgarttnerin

d. l. h.

3. Magdalena Paumgartner nach Frankfurt an ihren gatten.

1592, 13. September.

Erberer, freundlicher, herzliebster Paumgarttner.

Dein schreiben ist mir vergang samstag wol zukumen, daraus mit herzensfreuden vernumen dein wolhinabkunft und dan nunmer in groser mue und arbeitt. Got helf, es ales wol zugehe und verrichtet werte, und wir mit freuten wider zusamenkumen, wiebol uns Got ein schmerzlichen ris dorch unser freudt hat thun, die wir zuvor alzeit freudenreicher zusam sein kumen, als leider iez geschehen wiert. Doch dorch die starcke hofnung zu Got, so wir haben, kon es wider dazu kumen. Amen.

Herzlieber Paumgartner, hab in deinem schreiben die zeitungen gern gelesen, und das aug die kiten nit geraden sein. Wolst du doch sehen, das wir nor ein 300 haben kinen, wan ir nit mer sein kinen. Wan du aug vir dich nach regelpirn gefragt hetest, hest du wol thun und am hinabziehen meser kauft vir das gesindlich oder schlechte kres. Wolest aug des zuckers nit vergesen.

Hab heut der alten Köplin aug geschriben gen Schlackenwalt, das sy mein nit verges mit dem flax; schick ir ein duzet leckiegla, das sy desto ehr dron denckt.

Aug so hat herr Kres heut wider ein sun bekumen, hat ir nun 5 sun, kind uns wol einen mitdeiln, wens gilte. Hat in der Finolt gehebt, heist Yochum Friderich. Bin gleich zur kindauff gangen.

Morgen fru sol ich mit dem Christof zum meien auf sein fogelhertt farn.

Mus dirs gleich vir ein neie zeitung schreiben, dieweil wir Gott lob iezund ein 3 tag schön weder wider haben, da wir seid deinem verreisen nor stedichs regenweter gehabt, welges, wan es lenger gewert het, balt etwas erwecken het terfen.

Dan es nort geregnet umber hat, das es gepachsz hat. Und hab aug heut gehert, das es drunden anfange zu sterben. Bit dich derhalben, herzliebster schaz, wolest dein wol in acht nemen und nit niechtern ausgehn, eh den du was esest.

Ist mir aug die wogen leid gewesen wegen deines vadern, der aber nit wolauf gewesen ist. Ab[er] Got lob, heut haben wir potschaft, das er wider ein wenig feiner ist. Hat mir leid gemacht, das du nit hie bist, und das wir nit hinaus zu im sein, weil es nunmer imer zum ende get.

Iez gleich, so ich dir gar schreiben wil, kumpt ein fas wein; so ichs einlegen las, kumpt mir ein brieff von dir, des ich erfreuet bin. Wirst mein schreiben vordem aug nunmer wol empfangen haben. Und das fas wein, so kumen, helt bey 4 aeimer.

So hab ich seid deinem verreisen von Adam Stuzer nichts gehört, so ist er nit da gewesen. Wiert villeicht der pot von Salzporg noch nit kumen sein, derhalb ich dir nit wol röten kon zu kaufen. Wan du villeicht 4 rös zusamprechst, wir mon dir vir die zbien praun desto weniger geben woln. Doch stedt es zu dir; wie es dir gefelt, so mir aug.

Ich hab dir aug, herzlieber Paumgartt[n]er, in meinem ersten brieff umb 2 eln oder 3 leinwad vir mich zu kresen [geschrieben]; mein ich und zbeifel doch, das ichs nit vergesen hab. So welst nor ungefer eine umb 10 oder 12 pazen nemen, dan ich ir zu golern aug darff.

Und weis dir sunst, herzlieber schaz, auf dis mal nit mer zu schreiben, dan das unser meinstes gefeng von fegeln ist am sundag 15 gewesen. Heut 6 hebet gleich wider an zu regnen. Got geb palt wider schön weder!

Wolst also von mir, herzliebster Paumgartner, freundlich und fleisig gegriest und Got dem hern in genaden befoln sein.

Dadum 13 Septemer zu nacht 1592.

Magdalena Baltthaser Paumgarttnerin.

Quelle: Briefwechsel Balthasar Paumgartners, des Jüngere mit seiner Gattin Magdalena, geb. Behaim. (1582–1598). Herausgegeben von Dr. Georg Steinhausen. Gedruckt für den literarischen Verein in Stuttgart. Tübingen, 1895, S. 6–10, 141–43, 174–75. Online verfügbar unter: https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.39015018633506&view=1up&seq=5&skin=2021.