Quelle
Quelle: Der Golem, wie er in die Welt kam, Regie: Paul Wegener, PAGU, 1920. wikimedia commons: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Golem:_How_He_Came_into_the_World
Der Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam aus dem Jahr 1920 war die dritte Verfilmung einer alten rabbinischen Legende über den Golem, eine Kreatur aus Lehm, das die Juden im mittelalterlichen Prag vor der Verfolgung rettet, durch den Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur Paul Wegener. Er hatte bereits 1915 eine sehr erfolgreiche Version und 1917 eine Parodie gedreht, doch der Stoff ließ ihn nicht los. In diesem Ausschnitt aus einer frühen Szene ordnet der Heilige Römische Kaiser die Vertreibung der Juden an. Daraufhin formt Rabbi Löw (Albert Steinrück), der zuvor Unheil für sein Volk prophezeit hatte, heimlich den Golem (gespielt von Wegener) aus Lehm. Später präsentiert Löw in Anwesenheit des Kaisers seine Schöpfung und erzählt dem adligen Publikum die Geschichte der Juden. Als das Publikum über Löws Geschichte zu lachen anfängt, beginnt der Kaisersaal zu beben und zu knacken. Der mächtige Golem hält jedoch die Decke hoch, und der Kaiser begnadigt aus Dankbarkeit die Juden. In Anlehnung an die Frankenstein-Geschichte muss Löw jedoch schnell feststellen, dass er den Golem nicht kontrollieren kann, als dieser durch das Ghetto tobt und wahllos Menschen angreift, bis ein kleines Mädchen ihm unschuldig das magische Amulett abnimmt und ihn dadurch wieder leblos werden lässt. Dank seiner mitreißenden Handlung und der visuellen Kunstfertigkeit des Films war er monatelang in ausverkauften Kinos zu sehen. Wie die Frankenstein-Geschichte auch, deutete die Geschichte des Golem auf die Unvorhersehbarkeit aller Innovation hin und stellte somit eine warnende Erzählung in einer Zeit beschleunigter technologischer und sozialer Veränderungen dar. Das Thema der Verfolgung der Juden hatte eine zeitgenössische Parallele in der Welle jüdischer Flüchtlinge, die nach 1918 vor den Pogromen in Mittel- und Osteuropa nach Deutschland flohen. Das Filmpublium mag sogar eine Verbindung zwischen dem Schauplatz des Films – dem jüdischen Ghetto im mittelalterlichen Prag – und einigen der Stadtviertel hergestellt haben, in denen sich diese Flüchtlinge konzentrierten, wie beispielsweise dem Berliner Scheunenviertel, das nur drei Jahre nach der Veröffentlichung des Films Schauplatz gewalttätiger antisemitischer Übergriffe wurde.
Quelle: Der Golem, wie er in die Welt kam, Regie: Paul Wegener, PAGU, 1920. wikimedia commons: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Golem:_How_He_Came_into_the_World