Quelle
Quelle: Deulig-Woche Nr. 28 (Ausschnitt), Deulig-Film Ag, 1926. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 433. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/433/683627
Dieser Wochenschau-Ausschnitt aus dem Jahr 1926 wirbt für „Hagenbecks große Indienschau“, eine Ausstellung von Menschen und Tieren, die von John Hagenbeck, Deutschlands berühmtestem Impresario des „Exotismus“, organisiert wurde. Seine Großfamilie handelte seit den 1870er Jahren mit Wildtieren und entwarf Zoos, Zirkusse und ethnografische Ausstellungen. Hagenbecks „Ausstellung“ brachte neun Elefanten und hundert Menschen aus dem indischen Subkontinent zusammen. Dieser Ausschnitt zeigt, wie Hagenbeck für seine Ausstellung Werbung machte, indem er aufwendig geschmückte Elefanten durch die Berliner Innenstadt paradieren ließ und bemerkenswerte Vorführungen menschlicher Balance und Beweglichkeit arrangierte. Das Unternehmen Hagenbeck, das von Carl Hagenbeck gegründet wurde, um Wildtiere an Menagerien und Zirkusse in ganz Europa zu liefern, entwickelte sich in den 1880er Jahren schnell zu einer neuen Form der Unterhaltung, die sich die Faszination des Publikums für die Völker Afrikas und des Orients zunutze machte: sogenannte Völkerschauen, bei denen Menschen in nachgebauten Dörfern ausgestellt wurden, um zu veranschaulichen, wie sie sich kleideten, kochten, miteinander umgingen, tanzten und zeremonielle Anlässe in ihren fernen Heimatländern begingen. Zu verschiedenen Zeiten rekrutierte die Firma Hagenbeck Darsteller aus dem Stamm der Oglala-Sioux in South Dakota, der Sami in Norwegen und verschiedenen Gruppen aus Marokko und Ägypten, oft unter irreführenden Vorwänden und ausbeuterischen Bedingungen. Die Völkerschauen verbreiteten ein Verständnis von Ethnizität als feste und klar definierte Kategorie mit leicht identifizierbaren körperlichen Merkmalen und starr festgelegten kulturellen Normen. In den 1920er Jahren stießen solche Ausstellungen zunehmend auf Widerspruch, und die Berliner Ausstellung von 1926 wurde von verschiedenen Seiten kritisiert, darunter auch von indischen Studenten und Intellektuellen, die zu dieser Zeit in der Stadt lebten.
Quelle: Deulig-Woche Nr. 28 (Ausschnitt), Deulig-Film Ag, 1926. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 433. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/433/683627
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